Nahrungsergänzungsmittel: Die Wahrheit über Risiken, Sicherheit und mangelnde Regulierung

Januar 21, 2026

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Nahrungsergänzungsmittel: Die Wahrheit über Risiken, Sicherheit und mangelnde Regulierung

Stellen Sie sich vor, Sie kaufen ein Produkt für Ihre Gesundheit, doch niemand hat je geprüft, ob es sicher ist oder überhaupt wirkt. Klingt nach dem Wilden Westen, oder? Genau das ist oft die Gefahr von Nahrungsergänzungsmitteln. Diese Multimilliarden-Dollar-Industrie verspricht uns ein besseres Leben, doch die Realität sieht oft anders aus: fragwürdige Inhaltsstoffe, fehlende Kontrollen und potenzielle Risiken. Wir werfen einen Blick hinter die Kulissen.

Im Gegensatz zu Medikamenten werden Nahrungsergänzungsmittel oft ohne vorherige Sicherheits- oder Wirksamkeitsprüfung auf den Markt gebracht.

Man könnte annehmen, dass eine staatliche Behörde sie vor der Markteinführung genehmigt hat, wie es bei Medikamenten der Fall ist. Doch das ist oft nicht der Fall. Für Nahrungsergänzungsmittel gibt es meist keine umfassende Vorabprüfung der Sicherheit oder Wirksamkeit. Hersteller müssen lediglich gute Herstellungspraktiken einhalten, aber selbst diese Kontrollen sind aufgrund begrenzter Ressourcen und fehlender Registrierungssysteme oft lückenhaft. Es ist ein System, das von vielen als „absurd“ bezeichnet wird, denn es scheint die Uhr um fast ein Jahrhundert zurückzudrehen, in eine Zeit, in der fast alles verkauft werden konnte.

Kontamination, gefälschte Inhaltsstoffe und fehlerhafte Etikettierung sind in der Branche weit verbreitete Probleme, die Verbraucher gefährden.

Was passiert, wenn die Kontrollen fehlen? Die Folgen können erschreckend sein. Kunden einer bestimmten Vitaminmarke, die Purity First hieß, litten unter ungewöhnlichen Symptomen: Rückenschmerzen, Aggressionen, Stimmveränderungen und sogar Hautausschläge. Als die Kapseln getestet wurden, stellte sich heraus, dass sie mit zwei anabolen Steroiden versetzt waren. Der Hersteller vermutete einen nicht ausreichend gereinigten Mischer, der zuvor zur Herstellung von „Männerverbesserungspillen“ verwendet wurde.

Ein anderes Beispiel zeigte, dass eine Kinderklinik bei der Überprüfung von Vitamin-D-Tropfen feststellte, dass diese mehr als das Doppelte der angegebenen Dosis enthielten – ein enormes Risiko für Frühgeborene, die winzige Mengen benötigen. Bei pflanzlichen Mitteln ist die Lage nicht besser: Eine Studie fand heraus, dass 30 % der untersuchten Traubensilberkerze-Produkte gar keine Traubensilberkerze enthielten, sondern Zierpflanzen aus China. Bei Sägepalme und Teufelskralle waren es sogar bis zu 100 %, die nicht dem Etikett entsprachen oder kontaminiert waren. Untersuchungen von Staatsanwaltschaften zeigten ähnlich alarmierende Ergebnisse: Oft fanden sich nur Spargel-, Zimmerpflanzen- oder Reis-DNA statt der beworbenen Inhaltsstoffe. Man fragt sich: Was kaufe ich da eigentlich?

Selbst Fischöl, das als Omega-3-Quelle beliebt ist, ist nicht frei von Mängeln. Viele Produkte weisen hohe Oxidationswerte auf, was bedeutet, dass das Öl ranzig geworden ist und potenziell entzündliche Reaktionen im Körper auslösen kann, anstatt zu helfen.

Viele gängige Nahrungsergänzungsmittel haben keine nachgewiesenen gesundheitlichen Vorteile und können in hohen Dosen sogar schädlich sein, beispielsweise durch ein erhöhtes Krebsrisiko.

Wir alle lieben die Vorstellung einer Wunderpille, die alles besser macht. Doch die Wissenschaft zeigt: Mehr ist nicht immer besser, oft sogar gefährlich. Multivitamine schaden uns in normalen Dosen meist nicht, aber Mega-Dosen können das Risiko für Krebs und Herzerkrankungen erhöhen.

Nehmen Sie Vitamin C: Um 1000 mg aus Lebensmitteln zu bekommen, müssten Sie sieben bis acht ganze Cantaloupe-Melonen essen. Oder Vitamin E: 1000 internationale Einheiten entsprechen etwa 1670 Mandeln. Studien haben jedoch gezeigt, dass solche hohen Mengen an Vitamin E das Risiko für Prostatakrebs deutlich erhöhen können. In einer besser regulierten Welt würde ein solches Produkt eine deutliche Warnung tragen.

Auch Vitamin D, oft als Wundermittel gepriesen, wird häufig überdosiert. Während offizielle Empfehlungen bei 600 IE täglich liegen, empfehlen manche Quellen 5.000 oder sogar 10.000 IE. Doch zu viel Vitamin D kann schädlich sein und zu Nierensteinen, hohem Kalziumspiegel im Blut oder sogar Gefäßverkalkungen führen. Forschungsergebnisse deuten auf eine U-förmige Risikokurve hin: Sowohl zu niedrige als auch zu hohe Vitamin-D-Spiegel können das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und die allgemeine Sterblichkeit erhöhen. Es ist ein komplexes Thema, bei dem „mehr“ nicht automatisch „gut“ bedeutet.

Die Lobby der Nahrungsergänzungsmittelindustrie ist mächtig und hat maßgeblich dazu beigetragen, strenge Vorschriften zu verhindern oder zu lockern.

Wenn es um so viel Geld geht, ist es kaum überraschend, dass die Industrie ihre Interessen vehement verteidigt. Eine mächtige Lobby setzte sich in den 90er-Jahren vehement gegen schärfere Regulierungen ein, als eine Behörde versuchte, Gesundheitsaussagen wissenschaftlich untermauern zu lassen. Der Druck war so groß, dass der Kongress mehr Briefe zu diesem Thema erhielt als zum Vietnamkrieg. Das Ergebnis war ein Gesetz, das die Beweislast umkehrte: Nicht die Hersteller müssen die Wirksamkeit beweisen, sondern die Regulierungsbehörden müssen nachweisen, dass eine Behauptung falsch oder irreführend ist – eine Mammutaufgabe.

Manchmal dauert es tragischerweise, bis etwas passiert: Über 160 Todesfälle waren mit dem Diätpräparat Ephedra verbunden, bevor der Verkauf gestoppt wurde. Eine ähnliche Geschichte ereignete sich mit OxyElite Pro, einem Nahrungsergänzungsmittel, das zu einem Ausbruch von Leberversagen führte. Selbst als Ärzte verzweifelt versuchten, Fälle zu melden, wurden sie anfangs nicht ernst genommen, als „Scherzanrufer“ abgetan. Die Reaktion war schleppend, und oft bedarf es leider eines „Opferlamms“, damit Maßnahmen ergriffen werden.

Ein weiteres besorgniserregendes Phänomen ist die sogenannte „Drehtür-Politik“: Ehemalige Regulierungsbeamte wechseln in hochrangige Positionen bei Lobbygruppen der Branche. Sie verteidigen dies mit dem Argument, dass ihre Branchenkenntnis sie zu effektiven Regulierern mache. Doch es wirft Fragen auf, wessen Interessen letztendlich vertreten werden.

Verbraucher müssen aufgrund unzureichender staatlicher Kontrollen extrem vorsichtig sein und sollten sich nicht blind auf Produktversprechen verlassen.

All das zeigt uns, dass wir als Verbraucher eine enorme Verantwortung tragen, wenn es um Nahrungsergänzungsmittel geht. Die Aufsichtsbehörden sind oft personell unterbesetzt – ein kleines Team muss Tausende von Herstellern überwachen. Das Meldesystem für unerwünschte Reaktionen ist umständlich und wird oft nicht schnell genug bearbeitet. Wenn es zu Problemen kommt, muss die Behörde gerichtsreife Beweise sammeln, was Monate dauern kann. In der Zwischenzeit können die Produkte weiterhin verkauft werden.

Obwohl es Anzeichen gibt, dass einige Unternehmen nun bessere Technologien zur Qualitätskontrolle einsetzen, bleibt die Tatsache bestehen: Viele Nahrungsergänzungsmittel werden ohne die rigorosen Tests verkauft, die wir von Medikamenten erwarten. Es ist eine unregulierte Pille, und wir wissen oft nicht, was wirklich drin ist. Die Versprechungen sind verlockend, aber die Realität ist komplizierter und die Risiken von Nahrungsergänzungsmitteln sind oft größer, als wir ahnen.

Häufig gestellte Fragen

Sind Nahrungsergänzungsmittel grundsätzlich gefährlich?

Nicht unbedingt, aber die mangelnde Regulierung bedeutet, dass die Qualität und der tatsächliche Inhalt vieler Produkte ungewiss sind. Einige können in hohen Dosen schädlich sein oder durch Kontamination und falsche Inhaltsstoffe ein Gesundheitsrisiko darstellen. Es gibt nur wenige Studien, die einen klaren Nutzen für gut ernährte Erwachsene belegen.

Wie kann ich mich vor unsicheren Nahrungsergänzungsmitteln schützen?

Sprechen Sie immer zuerst mit einem Arzt oder Apotheker, bevor Sie Nahrungsergänzungsmittel einnehmen. Verlassen Sie sich primär auf eine ausgewogene Ernährung, um Ihren Nährstoffbedarf zu decken. Seien Sie skeptisch gegenüber überzogenen Gesundheitsversprechen und extrem hohen Dosierungen. Achten Sie auf unabhängige Testberichte, falls verfügbar, auch wenn diese selten sind.

Was ist der größte Unterschied zwischen Medikamenten und Nahrungsergänzungsmitteln?

Der entscheidende Unterschied liegt in der Zulassung: Medikamente müssen ihre Sicherheit und Wirksamkeit in umfangreichen klinischen Studien nachweisen, *bevor* sie auf den Markt kommen dürfen. Bei Nahrungsergänzungsmitteln ist dies oft nicht der Fall; sie werden verkauft, ohne dass eine Behörde ihre Unbedenklichkeit oder den Nutzen vorab geprüft hat.

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