Stell dir vor, dein morgendlicher Kaffee schmeckt plötzlich anders – oder ist gar nicht mehr da. Eine erschreckende Vorstellung, oder? Doch genau das könnte passieren, denn der Klimawandel bedroht die Zukunft des Kaffees massiv. Millionen von Kaffeebauern im globalen Süden sind in ihrer Existenz bedroht, und damit auch unser geliebter Espresso oder Cappuccino.
Manche Preise, die für Kaffee gezahlt werden, spiegeln die harte Arbeit und das Engagement der Bauern in keiner Weise wider. Es ist Zeit für einen neuen Ansatz. Aber wie genau können wir die Lebensgrundlagen dieser Menschen sichern und gleichzeitig unseren Kaffeegenuss bewahren?
Der Klimawandel gefährdet die globale Kaffeeproduktion und damit die Lebensgrundlagen von Millionen Kaffeebauern im globalen Süden.
Kaffee ist eines der weltweit beliebtesten Getränke. Doch die Art und Weise, wie wir ihn produzieren, ist oft nicht nachhaltig. Der Klimawandel trifft die Kaffeeanbaugebiete hart. Trockenheit, neue Schädlinge und extreme Wetterereignisse machen den Bauern das Leben schwer.
Schon bald könnte der Anbau von Kaffee an vielen Orten wirtschaftlich nicht mehr tragfähig sein. Das ist nicht nur ein Problem für uns Kaffeeliebhaber, sondern vor allem für die Bauernfamilien, deren gesamte Existenz vom Kaffee abhängt.
Monokulturen und Entwaldung sind umweltschädlich; Agroforstwirtschaft bietet eine nachhaltige Alternative.
Jahrzehntelang war es gängige Praxis: Wälder wurden gerodet, um riesige Kaffeeplantagen zu schaffen. Weltweit waren das bis zu 100.000 Hektar pro Jahr. Auf diesen großen Feldern, wo nichts außer Kaffee wächst, lassen sich Erntemaschinen leichter einsetzen.
Doch diese Monokulturen sind verheerend für die Umwelt. Sie benötigen riesige Mengen an Dünger, schädigen den Boden und tragen zur Klimakrise bei, indem sie CO2 freisetzen. Außerdem können die Pflanzen in der prallen Sonne ohne Bewässerung kaum überleben, was unsere natürlichen Ressourcen massiv belastet.
Für eine einzige Tasse Kaffee werden im Schnitt rund 130 Liter Wasser benötigt – fast eine ganze Badewanne voll. Und dabei werden etwa 80 Gramm schädliche Treibhausgase ausgestoßen, was einer Autofahrt von einem halben Kilometer entspricht. Das muss sich ändern.
In Ecuadors Regenwald, am Rio Napo, gibt es jedoch einen völlig anderen Weg. Indigene Kaffeebauern praktizieren dort Agroforstwirtschaft, ein System, das weltweit als leuchtendes Beispiel gefeiert wird.
Sie nennen es „Chakra“. Bäume spenden den Kaffeepflanzen Schatten und erhalten gleichzeitig die Artenvielfalt. Bananenstauden oder Kakaobäume liefern nicht nur Schatten, sondern auch ein zusätzliches Einkommen. Weniger Dünger, kaum Bewässerung und eine geringere Anfälligkeit für Schädlinge sind die Folge. Zudem speichert ein gesunder Wald viel CO2 und schützt die Biodiversität. Ein nachhaltiger Kaffeeanbau eben.
Direkthandel und überdurchschnittlich faire Preise sichern die Existenz der Kaffeebauern.
Menschen wie Andreas Felsen engagieren sich seit dreißig Jahren, um die Kaffeewelt zu verändern. Sie zahlen den Bauern deutlich mehr für ihre Bohnen, als der Markt oder gar etablierte Fairtrade-Standards vorsehen. Es geht darum, Mittelsmänner auszuschalten und direkt von den Produzenten zu importieren.
Ein Beispiel dafür ist die Kooperative „Waylla Kuri“ in Ecuador, was in der Kichwa-Sprache „grünes Gold“ bedeutet. 120 Kleinbauern haben sich dort zusammengeschlossen, um gemeinsam stärker zu sein und gleichbleibende Qualität und Erträge zu gewährleisten.
Solche fairen Kaffeehandel-Modelle ermöglichen es den Bauern, in moderne Anlagen zu investieren und ihre Lebensgrundlage langfristig zu sichern. Das Einkommen der Kaffeebauern hat sich dadurch oft mehr als verdoppelt. Unternehmen wie Quijote Kaffee zeigen, dass wirtschaftlicher Erfolg mit hohen ethischen und ökologischen Standards Hand in Hand gehen kann.
Die Erforschung und der Anbau resilienter Kaffeesorten wie Liberica sind entscheidend für die Anpassung an den Klimawandel.
Was passiert, wenn die bekannten Kaffeesorten wie Arabica und Robusta den klimatischen Extremen nicht mehr standhalten? Wir brauchen Alternativen. Wissenschaftler wie Sophie von Loeben vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung suchen nach Lösungen.
Eine vielversprechende Option ist die Sorte Liberica Kaffee. Sie stammt ursprünglich aus Uganda und wird dort bereits von vielen Bauern angebaut. Liberica scheint widerstandsfähiger gegen Trockenheit und Schädlingsbefall zu sein als die gängigen Sorten.
Das Problem ist, dass Arabica und Robusta nur im sogenannten „Kaffeegürtel“ gedeihen, der bis 2050 zur Hälfte ungeeignet für den Anbau sein könnte. Liberica könnte eine großflächige Anpassung an den Klimawandel Kaffee-Regionen ermöglichen.
Die Einführung neuer Kaffeesorten auf dem Weltmarkt ist ein Langzeitprojekt, denn eine Kaffeepflanze ist ein Baum, der Zeit zum Wachsen braucht. Doch schon jetzt wird Liberica mit anderen Sorten gemischt, und die Verkaufszahlen steigen. Dies sichert nicht nur das Einkommen der Bauern, sondern bietet auch eine langfristige Perspektive für den globalen Kaffeegenuss.
Häufig gestellte Fragen
F: Warum ist die Kaffeeproduktion durch den Klimawandel so stark bedroht?
A: Der Klimawandel führt zu extremen Wetterereignissen, Trockenheit und vermehrtem Schädlingsbefall in den Kaffeeanbaugebieten. Die traditionellen Kaffeesorten Arabica und Robusta gedeihen nur in einem stabilen tropischen Klima, das sich durch die Erderwärmung jedoch stark verändert. Bis 2050 könnten bis zu 50 % der Anbauflächen ungeeignet werden.
F: Was genau ist Agroforstwirtschaft im Kaffeeanbau und welche Vorteile bietet sie?
A: Agroforstwirtschaft, wie das „Chakra“-System in Ecuador, bedeutet, Kaffeepflanzen im Schatten anderer Bäume anzubauen. Dies erhält die Artenvielfalt, schützt den Boden vor Erosion und spendet den Kaffeepflanzen Schatten und Feuchtigkeit. So benötigen sie weniger Wasser und Dünger, sind weniger anfällig für Schädlinge und der Wald speichert CO2.
F: Welche Rolle spielt die Kaffeesorte Liberica für die Zukunft des Kaffees?
A: Liberica ist eine wiederentdeckte Wildkaffeesorte, die widerstandsfähiger gegen Trockenheit und Schädlingsbefall zu sein scheint als die gängigen Arabica und Robusta. Ihre Erforschung und ihr Anbau sind entscheidend, um die Kaffeeversorgung angesichts des Klimawandels langfristig zu sichern. Sie könnte eine wichtige Rolle bei der Anpassung der Kaffeeproduktion an neue klimatische Bedingungen spielen.


