Stellen Sie sich vor, Sie stehen kurz vor dem Kauf eines Abendessens für 41 Euro, aber dank Buy Now Pay Later (BNPL) können Sie den Betrag in vier bequemen Raten zu je 10,40 Euro über sechs Wochen verteilen. Klingt verlockend, oder? Die Buy Now Pay Later-Branche hat sich in den letzten Jahren rasant entwickelt und wird oft als die moderne Kreditkarte Alternative gefeiert. Manche glauben sogar, dass die Kreditkarte bald ein Relikt der Vergangenheit sein wird, wie die VHS-Kassette. Aber was steckt wirklich dahinter, und werden diese Dienste tatsächlich traditionelle Kreditkarten vom Thron stoßen oder am Ende doch nur wie diese behandelt?
BNPL: Eine neue Art zu zahlen – flexibel und oft zinsfrei
Im Kern bieten BNPL-Dienste wie Klarna oder Afterpay etwas ganz Einfaches: Sie ermöglichen es uns, Dinge sofort zu kaufen und später in Raten zu bezahlen. Meistens sind das vier Raten über einen kurzen Zeitraum, und oft – das ist der Clou bei den gängigen Modellen – fallen dabei keine Zinsen an. Man kennt das als das „Pay-in-Four“-Modell.
Wie funktioniert das? Ganz einfach: Beim Online-Checkout wählt man die BNPL-Option. Der Anbieter genehmigt den Kredit anhand seines eigenen Modells. Der Händler erhält sein Geld vom BNPL-Anbieter in der Regel schon am nächsten Tag, und der BNPL-Dienstleister übernimmt dann das Risiko, falls wir unsere Raten nicht zahlen können. Wir als Kunde bekommen einen klaren Rückzahlungsplan, meist ohne Zinsen. Aber Achtung: Wenn eine Zahlung verspätet kommt, können Gebühren anfallen.
Wie verdienen BNPL-Anbieter eigentlich ihr Geld?
Hier wird es interessant. Viele fragen sich: Wenn keine Zinsen anfallen, wie machen diese Unternehmen dann Gewinn? Der Löwenanteil des Einkommens – oft über 90 Prozent – stammt von den Händlern. Die Händler zahlen eine Gebühr an den BNPL-Anbieter, manchmal bis zu 5 % des Transaktionswertes, damit sie diese flexible Zahlungsoption ihren Kunden anbieten können. Für die Händler ist das attraktiv, weil es die Kaufbereitschaft fördert und den Umsatz steigert.
Mehr als nur vier Raten: Die Evolution von BNPL
Die BNPL-Branche entwickelt sich ständig weiter. Was als einfaches „Pay-in-Four“-Modell begann, wird komplexer. Mittlerweile gibt es auch längerfristige Darlehen, bei denen dann Zinsen anfallen können. Manche Anbieter bieten monatliche Ratenzahlungen für größere Anschaffungen an, die über einen längeren Zeitraum laufen. Hier ist der Zinssatz dann oft klar ausgewiesen.
Ein weiterer großer Schritt ist die Einführung physischer Karten für den stationären Handel. Das könnte den potenziellen Markt für BNPL-Anbieter verdoppeln! Man geht in ein Geschäft, fragt den Anbieter, ob ein bestimmter Betrag genehmigt wird, und wenn ja, kann man einfach mit der Karte bezahlen. Die Transaktion wird dann dem Kredit zugeordnet. Der Transaktionsvolumen hat sich seit 2019 bereits verzwanzigfacht – ein klares Zeichen, dass Verbraucher alternative Wege zum Bezahlen suchen. Ursprünglich oft für Online-Einkäufe im Bereich von 100 bis 200 Dollar genutzt, sieht man BNPL jetzt auch für kleinere Beträge oder sogar für den Einkauf von Lebensmitteln. Eine Umfrage zeigte, dass inzwischen ein Viertel der BNPL-Kunden damit ihre Groceries bezahlt haben. Das ist eine enorme Veränderung!
Die Schattenseiten: Risiken für Verbraucher und Anbieter
So praktisch Ratenzahlung Online auch sein mag, es gibt auch wachsende Bedenken. Eine Studie hat gezeigt, dass über zwei Drittel der BNPL-Darlehen an Kreditnehmer mit niedrigeren Kreditscores gingen. Das ist besorgniserregend, denn BNPL kann Produkte viel erschwinglicher erscheinen lassen, als sie tatsächlich sind. Dies birgt die Gefahr der Überschuldung der Verbraucher.
Auch für die Anbieter selbst sind die BNPL Risiken real. Es ist eine Faustregel im Kreditgeschäft: Jeder neue Kunde ist tendenziell etwas riskanter als die bestehenden. Klarna meldete beispielsweise einen Anstieg der Kreditverluste um 17 % innerhalb eines Jahres. Während das Unternehmen betont, dass dies mit einem signifikanten Anstieg der vergebenen Kredite zusammenhängt, zeigt eine andere Studie, dass 41 % der BNPL-Nutzer im letzten Jahr zu spät gezahlt haben – ein Anstieg von 34 % im Vorjahr. Viele Anbieter reagieren darauf, indem sie bei einer einzigen verspäteten Zahlung das Konto sofort sperren.
BNPL und Regulierung: Der Kampf um die Definition
Angesichts des rasanten Wachstums und der aufkommenden Risiken stellen sich Regulierungsbehörden die Frage, wie BNPL-Dienste eingeordnet werden sollen. Immer wieder werden Rufe laut, BNPL-Anbieter den gleichen Regeln zu unterwerfen wie traditionelle Kreditkartenunternehmen. Dies wäre ein großer Schritt und würde bedeuten, dass BNPL-Dienste strengeren Vorschriften unterliegen müssten.
Die BNPL-Anbieter selbst fordern oft eine separate Regulierung. Sie argumentieren, dass ihr Produkt grundlegend anders sei als ein traditioneller Kreditrahmen. Gleichzeitig beginnen einige Anbieter, Daten zur Kreditwürdigkeit an Auskunfteien zu melden, was sich auf die Schufa-Bewertung der Nutzer auswirken könnte. Es ist ein Spagat: Einerseits wollen die Anbieter, dass ihre Produkte positiv zur Bonität der Verbraucher beitragen; andererseits befürchten sie, dass das derzeitige System ihre Kunden ungerechtfertigt benachteiligen könnte. Es ist klar, dass dieser Bereich des digitalen Finanzwesens noch nach einer passenden und fairen Einordnung sucht.
Am Ende wird BNPL die Kreditkarten wahrscheinlich nicht vollständig ersetzen. Aber es wird sicherlich für viele Menschen und für bestimmte Arten von Transaktionen zu einer bevorzugten Wahl werden. Die Zukunft wird zeigen, wie sich diese dynamische Branche unter dem Auge der Regulierung weiterentwickelt.
Häufig gestellte Fragen
1. Was ist der Hauptunterschied zwischen BNPL und einer traditionellen Kreditkarte?
BNPL-Dienste konzentrieren sich auf die Ratenzahlung Online für spezifische Käufe, oft in kurzen Zeiträumen und zinsfrei, wobei der Anbieter das Ausfallrisiko gegenüber dem Händler trägt. Eine Kreditkarte bietet einen flexiblen Kreditrahmen, der wiederholt genutzt werden kann, oft mit Zinsen auf ausstehende Beträge.
2. Wie finanzieren sich BNPL-Anbieter hauptsächlich, wenn sie keine Zinsen verlangen?
BNPL-Anbieter verdienen den größten Teil ihres Geldes durch Gebühren, die sie von den Händlern erheben. Diese Gebühren können bis zu 5 % des Transaktionswertes betragen. Bei verspäteten Zahlungen durch den Kunden können zudem Mahngebühren anfallen.
3. Welche Risiken sind mit der Nutzung von BNPL-Diensten verbunden?
Ein Hauptrisiko ist die potenzielle Überschuldung, da Produkte durch die Ratenzahlung erschwinglicher wirken können. Es gibt auch Berichte über steigende Quoten verspäteter Zahlungen. Bei Nichtzahlung wird das Konto oft sofort gesperrt. Zudem kann die Nutzung von BNPL-Diensten und die Zahlungsmoral sich auf die persönliche Kreditwürdigkeit auswirken, da immer mehr Daten an Auskunfteien gemeldet werden.


