Wussten Sie, dass die Tradition des Schenkens tiefe Wurzeln hat, die weit vor der Entstehung der Zivilisationen liegen? Schon unsere Vorfahren in Höhlen tauschten Tierzähne oder Steine als Geschenke aus. Eine faszinierende Reise durch die Geschichte zeigt uns, dass Geschenke schon immer eine wichtige Rolle im menschlichen Miteinander spielten. Und bis heute ist die Geschenke Etikette ein entscheidender Faktor für ein gelungenes Miteinander, ob im privaten oder beruflichen Kontext.
Gerade weil Schenken und Beschenktwerden so bedeutsam sind, kann es leicht zu kleinen Fauxpas kommen. Wie wählt man das richtige Präsent aus? Wie nimmt man es richtig an? Und welche kulturellen Besonderheiten gilt es zu beachten? Lassen Sie uns gemeinsam eintauchen in die Kunst des Schenkens und Geschenkempfangs.
Die tiefen Wurzeln des Schenkens: Eine Zeitreise
Die Geschichte des Schenkens ist so alt wie die Menschheit selbst. Höhlenmenschen tauschten einfache Gaben. Das Geburtstagsschenken, wie wir es heute kennen, entstand aber erst viel später. Im alten Ägypten war es der Krönungstag eines Pharaos, der mit Schmuckgeschenken gefeiert wurde – quasi seine „Wiedergeburt zum Gott“.
Die alten Griechen brachten die Kerzen ins Spiel, um böse Geister am Geburtstag fernzuhalten. Geschenke sollten dabei ebenfalls Schutz bieten. Die größte Gabe der Menschheitsgeschichte war übrigens die Freiheitsstatue von Frankreich an die USA. Das teuerste Geschenk? Das Taj Mahal, erbaut von Kaiser Shah Jahan für seine Frau Mumtaz Mahal.
Weihnachtsgeschenke sind heute fast untrennbar mit dem Fest verbunden. Ursprünglich hatte dies wenig mit der religiösen Zeremonie zu tun, auch wenn die Weisen aus dem Morgenland dem Jesuskind Gaben brachten. Die kommerzielle Ausprägung mit rotem Geschenkpapier und Weihnachtsbäumen kam erst im 19. und 20. Jahrhundert auf. Heute können wir uns einen Feiertag ohne Geschenkeaustausch kaum noch vorstellen.
Kulturelle Sensibilität und persönliche Präferenzen: Das A und O der Geschenkauswahl
Die Wahl des richtigen Geschenks ist eine Kunst für sich und oft sehr kulturell geprägt. Was in einer Kultur als angemessen gilt, kann in einer anderen ein echtes Tabu sein. Aber Vorsicht: Auch innerhalb derselben Kultur können persönliche Vorlieben die allgemeinen Regeln außer Kraft setzen!
Wenn Sie eine Person gut kennen, sollten ihre individuellen Interessen und vielleicht sogar ihre Aberglauben immer über den allgemeinen Traditionen stehen. Nehmen wir an, jemand kommt aus einer Kultur, in der Schuhe als Geschenk Unglück bringen. Wenn diese Person aber eine absolute Schuhliebhaberin ist, die sich über nichts mehr freut als über ein neues Paar, dann zählt diese persönliche Präferenz mehr als die Tradition.
Kennen Sie den Empfänger nicht persönlich und wissen nur das Herkunftsland? Dann ist dieses Land Ihr Kompass. Zum Beispiel: In vielen Ländern des Nahen Ostens sind Geschenke mit Alkohol, wie eine Flasche Wein oder Pralinen mit Likörfüllung, ein großes Tabu. Hier ist Vorsicht geboten!
Allgemeine, sichere Geschenkideen für Unsichere
Wenn Sie unsicher sind, was die Person mag oder welche kulturellen Besonderheiten es gibt, greifen Sie auf universelle, sichere Optionen zurück:
* Eine Duftkerze
* Blumen in einer Vase
* Eine Schachtel Pralinen (achten Sie auf den Alkoholgehalt und Allergene!)
* Ein gutes Buch
* Schöne Schreibwaren wie ein edler Stift oder ein Notizbuch
Diese Geschenkideen kulturell gelten in vielen Kontexten als passend und wertschätzend. Wenn Sie Familie oder enge Freunde beschenken, fragen Sie ruhig nach ihren Wünschen. Das nimmt den Druck und stellt sicher, dass das Geschenk wirklich Freude bereitet.
Wichtige Regeln für das Schenken: Mehr als nur der Preis
Ein Geschenk zu überreichen, ist eine Geste der Wertschätzung. Doch damit die Freude auf beiden Seiten ist, gibt es einige wichtige Regeln zu beachten:
1. Das Geschenk ist für den Empfänger, nicht für Sie: Kaufen Sie etwas, das dem Beschenkten gefällt, nicht Ihnen selbst. Ihr eigener Stil sollte hier keine Rolle spielen.
2. Vermeiden Sie zu persönliche oder intime Geschenke: Für Personen außerhalb des engsten Kreises sind Parfüm, Bodylotion, Unterwäsche, Schmuck oder Schuhe oft zu intim. Greifen Sie lieber zu einer Duftkerze oder einem schönen Schal.
3. Halten Sie das Budget im Auge: Das Geschenk sollte nicht Ihr Budget sprengen und auch nicht das des Empfängers übersteigen. Zu teure Geschenke können den Beschenkten unter Druck setzen, sich revanchieren zu müssen. Es geht um die Geste, nicht um den Preis!
4. Geschenke für Kinder: Erst die Eltern fragen! Bevor Sie dem Nachwuchs Schokolade oder ein bestimmtes Spielzeug kaufen, klären Sie ab, ob es erlaubt oder erwünscht ist. Vielleicht bevorzugen die Eltern Bücher oder Kleidung.
5. Keine versteckten Botschaften: Ein Geschenk sollte niemals ein Hinweis auf vermeintliche Mängel des Empfängers sein (z.B. ein Diätbuch bei Übergewicht). Nur wenn der Beschenkte ausdrücklich einen Wunsch geäußert hat (z.B. er möchte abnehmen), ist so etwas angebracht.
6. Geschenkquittung beilegen: Eine Geschenkquittung ohne Preisangabe ist eine Geste der Aufmerksamkeit. So kann der Beschenkte das Präsent bei Bedarf umtauschen.
7. Einpacken oder nicht? Im Zweifelsfall: Einpacken! Die Vorfreude beim Auspacken gehört dazu. Achten Sie auf geschmackvolles Papier, das zum Anlass und zum Alter des Beschenkten passt. Eine persönliche Note, etwa durch selbst gestaltetes Papier oder die Wiederverwendung von Zeitungsseiten, kann sehr charmant sein.
8. Namenstag oder handgeschriebene Karte: Ein Namensschild oder eine kleine Notiz mit Glückwünschen macht es dem Empfänger leichter, Ihr Geschenk zuzuordnen – besonders bei größeren Feiern.
Geschenke richtig annehmen: Dankbarkeit zeigen ist das A und O
Das Empfangen eines Geschenks ist genauso wichtig wie das Schenken. Hier sind die Regeln für einen stilvollen Geschenkempfang:
1. Dankbarkeit ist oberstes Gebot: Nehmen Sie persönlich überreichte Geschenke mit beiden Händen entgegen, lächeln Sie aufrichtig und sagen Sie Danke.
2. Postgeschenke: Wenn ein Geschenk per Post kommt, rufen Sie am Tag des Erhalts an, um sich zu bedanken. Anschließend senden Sie eine handgeschriebene Dankeskarte.
3. Umgang mit Karten: Ist dem Geschenk eine Karte beigelegt, lesen Sie zuerst die Karte (leise, wenn andere dabei sind), bedanken Sie sich für die Worte und packen Sie dann erst das Geschenk aus.
4. Ehrliche Wertschätzung: Finden Sie aufrichtige Worte. Auch wenn das Geschenk nicht ganz Ihren Geschmack trifft, können Sie die Aufmerksamkeit des Schenkenden loben („Vielen Dank, dass du daran gedacht hast, dass ich die Farbe Schwarz mag!“). Wenn Ihnen absolut nichts am Geschenk gefällt, bedanken Sie sich herzlich für die Geste und die Mühe, die sich der Schenkende gemacht hat.
5. Notizen machen: Bei vielen Geschenken kann es schwer sein, den Überblick zu behalten. Bitten Sie eine vertraute Person, mit einem Notizzettel festzuhalten, wer was geschenkt hat. Handschriftliche Namensschilder sind hier Gold wert!
Der richtige Zeitpunkt zum Auspacken
Die Frage, wann man Geschenke auspackt, sorgt oft für Unsicherheit. In den USA ist es üblich, Geschenke vor allen Anwesenden zu öffnen. In Asien oder Südamerika hingegen ist es oft besser, sie privat zu öffnen.
Sind Sie in einer kleinen Gruppe, können Sie fragen: „Soll ich die Geschenke jetzt öffnen?“ Wenn auch nur eine Person lieber möchte, dass Sie warten, dann tun Sie das. Wenn Sie nur zu zweit sind, fragen Sie den Schenkenden direkt: „Möchtest du, dass ich es jetzt öffne, oder lieber später?“ Respektieren Sie seinen Wunsch.
Kulturelle Tabus bei Geschenken: Was man besser vermeiden sollte
Ein wesentlicher Teil des Geschenk Knigge ist das Wissen um kulturelle Fettnäpfchen. Die bereits erwähnten alkoholhaltigen Geschenke im Nahen Osten sind ein Beispiel. Doch es gibt noch mehr:
* In China gelten Uhren oder Glocken als Tabu, da sie an Vergänglichkeit oder Abschied erinnern können.
* In Brasilien sollte man Broschen meiden.
* In Frankreich sind Chrysanthemen, besonders zu festlichen Anlässen, unangebracht.
Informieren Sie sich immer über die Bräuche der jeweiligen Kultur, aus der der Empfänger stammt. So vermeiden Sie unangenehme Überraschungen.
Häufig gestellte Fragen
Sollte man Geld als Geschenk geben?
Geld als Geschenk ist nur bei engen Familienmitgliedern oder sehr guten Freunden angemessen. In allen anderen Fällen ist es besser, eine Geschenkkarte für ein bestimmtes Geschäft oder eine Dienstleistung zu wählen, die zu den Interessen des Empfängers passt (z.B. eine Buchhandlungskarte für Leseliebhaber).
Wann sollte man auf keinen Fall mit leeren Händen auftauchen?
Offensichtlich sind Feiertage, Geburtstage und besondere Jubiläen Anlässe für Geschenke. Aber auch, wenn Sie das erste Mal zu jemandem nach Hause eingeladen sind, sollten Sie nicht mit leeren Händen erscheinen. Eine Duftkerze, Blumen in einer Vase oder eine Schachtel Pralinen sind immer eine gute Wahl. Für einen Hausbesuch können Sie auch ein kleines Einrichtungsstück in Betracht ziehen, das zum Stil des Hauses passt.
Was tun, wenn mir ein Geschenk wirklich gar nicht gefällt?
Es ist wichtig, Dankbarkeit zu zeigen, auch wenn das Geschenk nicht Ihren Geschmack trifft. Suchen Sie nach etwas Positivem, das Sie über das Geschenk oder den Schenkenden sagen können. Loben Sie zum Beispiel die Aufmerksamkeit des Schenkenden oder seine Mühe, Sie zu beschenken. Ehrlichkeit ist wichtig, aber immer mit Respekt und Freundlichkeit.


