Panikattacke bewältigen: Die 60-Sekunden-Methode ohne Hilfsmittel

Februar 4, 2026

uberleben.com.de

Panikattacke bewältigen: Die 60-Sekunden-Methode ohne Hilfsmittel

Haben Sie auch schon unzählige Videos und Artikel gesehen, die versprechen, eine Panikattacke bewältigen zu können – und das in nur 60 Sekunden? Die Rede ist von sofortigen Lösungen, von „Angstattacken schnell stoppen“ oder „Panikattacken für immer heilen“. Überall im Internet wimmelt es von geheimen Formeln und Wundermitteln, die Ihnen angeblich sofortige Erleichterung verschaffen sollen.

Meistens sind es Listen mit Dingen, die man unbedingt dabeihaben oder tun sollte: eine Flasche Wasser, Pfefferminzbonbons, Kopfhörer, das Handy, das Lieblings-Selbsthilfebuch, eine vertraute Person in der Nähe, ein Gummiband ums Handgelenk, ein Hörbuch, eine Tasse Kaffee oder sogar ein Glas Wein.

Was, wenn ich Ihnen sage, dass die Wahrheit genau das Gegenteil ist? Der eigentliche Trick, um eine Panikattacke schnell überwinden zu können, besteht darin, all diese Dinge loszuwerden. Wirklich. Sammeln Sie alles ein, packen Sie es in eine Tasche und werfen Sie es gedanklich aus dem Fenster. Wir brauchen nichts davon. Keinen Schluck Wasser, keine Bonbons, keine Zigaretten, keine Meditations-Apps, keine Salzlampen. Alles weg damit!

Was wir für Heilmittel halten, sind oft nur Sicherheitsanker

Oft greifen wir in Momenten aufkommender Panik zu bestimmten Ritualen oder Gegenständen. Eine Flasche Wasser, um den trockenen Mund zu befeuchten. Pfefferminzbonbons für ein frisches Gefühl. Das Smartphone als Ablenkung. Ein Selbsthilfebuch, um sich zu beruhigen. Ein Gummiband, um es gegen das Handgelenk zu schnipsen.

Wir sind überzeugt, dass diese Dinge uns helfen, die Attacke zu überstehen. Doch in Wahrheit sind sie nichts anderes als Sicherheitsverhaltensweisen. Verstehen Sie mich nicht falsch, die Absicht dahinter ist gut. Wir suchen nach Halt, nach Kontrolle.

Warum diese Hilfsmittel kontraproduktiv sind

Das Problem ist: Diese Sicherheitsverhaltensweisen bestärken uns in dem Glauben, dass wir sie *brauchen*, um eine Panikattacke zu überstehen. Sie vermitteln unserem Gehirn die Botschaft: „Ohne X kann ich Y nicht bewältigen.“

Wenn wir uns dann in einer Situation befinden, in der diese „Hilfsmittel“ nicht verfügbar sind – vielleicht, weil wir sie vergessen haben oder weil wir einfach unterwegs sind –, geraten wir noch schneller in Panik. Die Angst, es ohne sie nicht zu schaffen, schürt die Panik zusätzlich. Sie ist wie Öl ins Feuer. Der Glaube, auf externe Dinge angewiesen zu sein, hält uns gefangen.

Die wahre „Geheimformel“: Einfach nichts tun

Kommen wir zur eigentlichen 60-Sekunden-Methode. Ich habe hier gesessen, in meinem Arbeitszimmer. Keine Flasche Wasser, keine Pfefferminzbonbons, kein Kontrollieren des Pulses, kein Gummiband, kein Achtsamkeits-Malbuch. Nichts davon. Ich habe einfach nur da gesessen. Und die 60 Sekunden sind vergangen.

Was ist passiert? Nichts.

Genau das ist der Schlüssel! Wenn Sie unter einer Panikattacke leiden, ist das Beste, was Sie tun können: nichts tun. Einfach sitzen und es geschehen lassen. Es ist unangenehm, ja. Es kann sich furchtbar anfühlen. Aber die Panik wird von alleine abklingen.

Den Teufelskreis durchbrechen und innere Stärke finden

Der Weg zur Panik ohne Hilfsmittel meistern führt über das konsequente Ablegen all dieser Sicherheitsverhaltensweisen. Wir müssen unserem Gehirn die Chance geben zu erfahren, dass wir stark genug sind, um die Panik auch ohne sie zu überstehen.

Die Herausforderung besteht darin, der Welle zu erlauben, zu kommen. Akzeptieren Sie, dass sie da ist. Lassen Sie sie tun, was sie tun will. Das ist paradoxerweise oft das, was sie zurückhält oder sie schneller abklingen lässt. Es gibt nichts, wovor man weglaufen müsste, und keinen Ort, an dem man sich verstecken könnte.

Panik zulassen statt bekämpfen: Der Weg zu langfristiger Resilienz

Indem wir die Panik zulassen, anstatt dagegen anzukämpfen oder verzweifelt nach Hilfsmitteln zu greifen, verhindern wir eine Eskalation. Wir lernen, dass die Angst zwar intensiv, aber nicht gefährlich ist. Dass sie kommt und wieder geht.

Es geht darum, Vertrauen in die eigene Widerstandsfähigkeit aufzubauen. Zu erkennen: „Ich weiß, wie sich das anfühlt, und ich kann es ertragen.“ Es gibt nichts zu befürchten, wenn man der Panik einfach erlaubt, da zu sein. Sie ist ein Gefühl, und Gefühle sind immer vorübergehend.

Häufig gestellte Fragen

Was sind Sicherheitsverhaltensweisen bei Panikattacken?

Sicherheitsverhaltensweisen sind Handlungen oder Hilfsmittel, zu denen wir greifen, weil wir glauben, sie würden uns vor der Panik schützen oder sie lindern. Dazu gehören zum Beispiel das Trinken von Wasser, das Kauen von Minzbonbons, das Tragen von Kopfhörern, das Lesen eines Buches oder das Suchen einer vertrauten Person.

Warum sollte ich bei einer Panikattacke nichts tun?

Indem Sie nichts tun, lernen Sie und Ihr Gehirn, dass die Panik auch ohne externe Hilfsmittel abklingt und nicht gefährlich ist. Jede Sicherheitsmaßnahme verstärkt den Glauben, diese sei notwendig, und hindert Sie daran, die eigene innere Stärke und die natürliche Endlichkeit der Attacke zu erfahren. Es hilft Ihnen, Angstattacke sofort stoppen zu lernen, indem Sie sie annehmen.

Ist es wirklich sicher, eine Panikattacke einfach zuzulassen?

Ja, Panikattacken sind zwar extrem unangenehm und beängstigend, aber nicht gefährlich für Ihre körperliche Gesundheit. Sie können Sie nicht töten oder verrückt machen. Das Zulassen der Panik und das Durchbrechen von Sicherheitsverhaltensweisen ist eine bewährte Methode in der Verhaltenstherapie, um die Angstspirale zu durchbrechen und langfristig Ängste zu überwinden.

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