Kennst du das Gefühl? Dieses tiefe, unbestimmte Verlangen nach mehr. Du spürst einfach, dass du im Moment nicht am richtigen Ort bist, dass du dein volles Potenzial nicht ausschöpfst. Irgendetwas in dir weiß, dass du mehr zu geben hast, mehr mit der Welt teilen möchtest. Das Problem ist nur: Du weißt nicht, was dieses „Mehr“ genau ist. Dann hörst du Geschichten von Menschen, die ihre eine Berufung gefunden haben, ihren „Bestimmungsort“ im Leben. Und du? Du bleibst ratlos zurück und fühlst dich vielleicht sogar als Versager, weil du doch in der Lage sein solltest, das herauszufinden, oder? Nun, es geht vielen so, und die gute Nachricht ist: Die Suche nach sinnvolle Arbeit finden ist anders, als wir oft denken. Denn Arbeit kann so viel mehr sein, als nur Rechnungen zu bezahlen.
Die Illusion der einen „Berufung“
Wir sind als Gesellschaft regelrecht besessen von der Vorstellung, unsere eine, große Berufung zu finden. Eine schnelle Google-Suche zeigt, wie sehr uns das Thema umtreibt: Milliarden von Suchergebnissen, wenn es darum geht, „den Sinn in der Arbeit zu finden“ oder „die Arbeit, die man tun soll“. Dieser Wunsch ist zutiefst menschlich. Er wurzelt in unserem Bedürfnis nach Bedeutung, dem Wunsch, etwas zu tun, das zählt, das uns erfüllt und vielleicht sogar die Welt ein Stück besser macht.
Doch hier liegt der Knackpunkt: Wir gehen diese Suche oft völlig falsch an. Die Idee, es gäbe diese eine, vorbestimmte Sache, die du mit deiner Karriere, mit deinem Leben tun sollst, ist schlichtweg fehlerhaft. Und sie führt zu unnötigem Druck, der uns eher lähmt, als uns vorwärtszubringen.
Mehrere Interessen? Das ist deine Superkraft!
Schauen wir uns mal genauer um. Es gibt zum einen jene Menschen, die schon früh ihre Passion entdeckt haben, ihre „eine Sache“. Ihre Geschichten werden erzählt, sie können leidenschaftlich und voller Überzeugung darüber sprechen. Kein Wunder, dass wir sie bewundern und insgeheim auch so sein wollen.
Aber dann gibt es die zweite Gruppe – und das ist die Mehrheit von uns. Menschen, die nicht diese eine, alles verzehrende Leidenschaft haben. Stattdessen haben sie mehrere Interessen Beruf und im Leben. Hier ein bisschen Interesse, dort etwas anderes, noch etwas Neues, das sie neugierig macht. Es sind vielleicht keine „Leidenschaften“, aber Dinge, die fesseln, die man gerne lernt oder darüber spricht. Oft werden diese Menschen von dem Gedanken geplagt, keine „echte“ Passion zu haben, und fühlen sich dadurch unsicher oder ängstlich.
Dabei ist gerade das die unglaubliche Ausgangsbasis für eine brillante Karriere, die das Beste aus dir herausholt! Es ist völlig in Ordnung, nicht diese unerschütterliche Gewissheit zu haben, was dein Lebenswerk ist. Das ist gar nicht das Ziel.
Das wahre Ziel: Intrinsisch motivierende Arbeit finden
Lass uns diese Perspektive ändern. Das Ziel ist nicht, die eine, vorgegebene Berufung zu finden. Das Ziel ist, Arbeit zu finden, die dich intrinsisch interessiert und motiviert. Arbeit, die dir ein Gefühl von Bedeutung gibt, dir Freude bereitet und das Beste aus dir herausholt. Klar, es klingt vielleicht weniger „sexy“ als die große Passion, aber es ist so viel erreichbarer!
Es geht darum, einen Job zu haben, der dich nicht nur den Gehaltsscheck einbringt, sondern dich tief befriedigt und erfüllt. Du willst, dass deine Arbeit mehr ist als nur Mittel zum Zweck, oder?
Der Dreischritt zu deiner Erfüllung
Wie aber findest du diese intrinsisch motivierende und interessante Arbeit? Es sind nur drei einfache Schritte.
1. Beobachte deine Anziehungspunkte
Vergiss für einen Moment die Suche nach deiner „großen Leidenschaft“. Frage dich stattdessen ganz pragmatisch: Wozu fühle ich mich von Natur aus hingezogen? Worüber würde ich gerne stundenlang reden? Was würde ich liebend gerne lernen, einfach aus Interesse? Das ist dein Ausgangspunkt. Es ist der Anfangspunkt jeder beruflichen Neuorientierung.
2. Tauche aktiv ein
Du wirst nie herausfinden, ob etwas dich wirklich intrinsisch interessiert und motiviert, indem du nur darüber nachdenkst. Du musst es erleben und fühlen.
Nimm dir Zeit und starte ein kleines Nebenprojekt. Das kann eine wunderbare Ablenkung von deinem aktuellen Job sein, besonders wenn er dich nicht glücklich macht. Oder denke darüber nach, Kurse zu belegen – kostenlose oder bezahlte –, besuche Veranstaltungen, lies Bücher zu dem Thema. Alles, um mit diesem Interesse in Kontakt zu treten und mehr darüber zu erfahren. Bekommst du dieses Gefühl im Herzen: „Ja, damit will ich mehr anfangen“?
Diese Phase ist eine Entdeckungsreise. Es ist völlig normal, dass es sich anfühlt, als würde man vielen Spuren folgen. Es kann unstrukturiert und chaotisch wirken, weil du mehrere Interessen gleichzeitig erkundest. Aber genau das ist der Prozess: Du folgst diesen „Brotkrümeln“, vergleichst, was sich für dich richtig anfühlt, und findest heraus, mit welchem Interesse du eine Karriereberatung in Erwägung ziehen würdest.
3. Erkunde die Karrieremöglichkeiten
Wenn du dich mit verschiedenen Interessen auseinandergesetzt hast und eines gefunden hast, bei dem du das Gefühl hast: „Ja, ich kann mir vorstellen, in diesem Bereich zu arbeiten, das wird mich intrinsisch interessieren und motivieren“, dann wird es taktischer.
Jetzt geht es darum, herauszufinden, wie eine Karriere in diesem Bereich tatsächlich aussehen könnte. Das bedeutet, du konzentrierst dich auf die verfügbaren Jobarten und wo deine Chancen liegen könnten. Der beste Weg? Sprich mit Menschen, die bereits in diesem Feld arbeiten! Vereinbare Kaffeegespräche oder virtuelle Treffen. Stelle Fragen, die dir helfen, zu verstehen, wie du in diesen Bereich einsteigen kannst und welche Art von Jobs für dich in Frage kommen.
In dieser Phase verschaffst du dir einen Überblick: Welche Organisationen gibt es? Wie unterscheiden sie sich? Welche Rollen gibt es? Und vor allem: Wo siehst du dich selbst in diesem Gesamtbild? Das ist auch der Moment, um aktiv Networking zu betreiben, um Zugang zum sogenannten „versteckten Arbeitsmarkt“ zu erhalten oder selbst neue Möglichkeiten zu schaffen.
Letztendlich läuft es auf eines hinaus: Das Gegenmittel zum Gefühl des Verlorenseins ist Veränderung. Und Veränderung bewirken wir, indem wir handeln, nicht indem wir nur darüber nachdenken. Man muss nicht die ganze Treppe sehen, um den ersten Schritt zu tun. Fang einfach an.
Häufig gestellte Fragen
F: Ist es normal, mehrere Interessen zu haben und keine einzelne „Berufung“?
A: Absolut! Die überwiegende Mehrheit der Menschen hat mehrere Interessen, statt einer einzigen, alles verzehrenden Leidenschaft. Das ist kein Mangel, sondern eine Stärke und ein hervorragender Ausgangspunkt, um sinnvolle Arbeit finden zu können, die dich intrinsisch motiviert.
F: Wie kann ich herausfinden, welche meiner Interessen potenziell zu einer Karriere führen könnten?
A: Der beste Weg ist, aktiv in diese Interessen einzutauchen. Starte ein kleines Projekt, nimm an einem Kurs teil oder lies Bücher dazu. Sammle Erfahrungen und spüre nach, welche Themen dich wirklich fesseln und ob du dir vorstellen könntest, beruflich damit zu arbeiten. Sprich auch mit Menschen, die bereits in diesen Bereichen tätig sind.
F: Was mache ich, wenn ich Angst vor einer beruflichen Neuorientierung habe?
A: Ängste sind normal. Wichtig ist, kleine Schritte zu gehen. Der vorgeschlagene Dreischritt ist darauf ausgelegt, eine sanfte Erkundung zu ermöglichen, ohne sofort alles auf den Kopf stellen zu müssen. Du sammelst Erfahrungen und Informationen, bevor du größere Entscheidungen triffst. Man muss nicht die ganze Treppe sehen, um den ersten Schritt zu tun.

