Göbeklitepe auf Sumerischer Tafel? Archäologische Analyse & Entlarvung

April 7, 2026

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Göbeklitepe auf Sumerischer Tafel? Archäologische Analyse & Entlarvung

Stellen Sie sich vor, alles, was wir über die älteste bekannte Megalithanlage der Welt wissen, müsste umgeschrieben werden, weil ein einziges Artefakt neue Beweise liefert. Genau diese Aufregung entstand, als Graham Hancock 2016 die These verbreitete, eine sumerische Tafel zeige tatsächlich Göbeklitepe. Eine faszinierende Vorstellung: Eine uralte Schriftrolle, die Tausende von Jahren später auf ein prähistorisches Wunder verweist. Aber was steckt wirklich hinter dieser Behauptung, die die Welt der Archäologie Mythen entlarven wollte? Lasst uns das gemeinsam genauer ansehen.

Die umstrittene Behauptung: Göbeklitepe auf Sumerischer Tafel?

Die Geschichte beginnt mit einem Forscher, der über die Cuneiform Digital Library auf sumerische Tafeln stößt. Eine davon, aus der Uruk-V-Periode (ca. 3500–3250 v. Chr.), schien etwas Unglaubliches darzustellen. Sie wurde an Graham Hancock Göbeklitepe herangetragen und in seinem Artikel als Darstellung der berühmten T-förmigen Säulen und kreisförmigen Strukturen von Göbeklitepe interpretiert. Wäre das wahr, hätte es enorme Auswirkungen. Es würde bedeuten, dass die Erinnerung an Göbeklitepe, das 12.000 Jahre alt ist, irgendwie über Tausende von Jahren hinweg bewahrt und dann von den Sumerern in Mesopotamien festgehalten wurde – lange nachdem der Ort selbst verlassen und vermeintlich begraben worden war.

Was Archäologen wirklich zu dem Artefakt sagen

Bei näherer Betrachtung dieses Fragments einer Sumerischen Zylindersiegel Interpretation wird es jedoch kompliziert. Das Bild, wie Hancock es präsentierte, war nämlich kopfstehend. Betrachtet man es verkehrt herum, *könnte* man mit viel Fantasie tatsächlich T-förmige Säulen und eine kreisförmige Struktur erkennen. Aber Archäologen, die sich auf sumerische Zylindersiegel spezialisiert haben, sind sich einig: Das ist eine Fehlinterpretation.

Bereits 1972 zeichnete ein Archäologe dieses Artefakt und veröffentlichte es in einer Fachzeitschrift. Die Beschreibung damals war klar: Es handelt sich um zwei Figuren, die auf gekrümmten Sitzen vor einem Apparat sitzen, der aus zwei viereckigen Stützen und einem länglichen ovalen Element besteht. Es gibt ähnliche Siegelabdrücke, die eine sehr ähnliche Ikonografie zeigen – oft Menschen bei der Arbeit, vermutlich beim Weben. Das ovale Element könnte schlicht Garn oder Faden darstellen. Der Spezialist, der das Objekt in den 1970er-Jahren entdeckte und dokumentierte, sah hier *niemals* Göbeklitepe. Niemand außer Graham Hancock tut dies.

Das Rätsel der Vergrabung: Zufall oder Absicht?

Ein weiterer wichtiger Punkt in diesem Zusammenhang ist die Frage, wie Göbeklitepe „vergraben“ wurde. Lange Zeit glaubten viele Archäologen, darunter Klaus Schmidt, dass die kreisförmigen Strukturen mit ihren T-förmigen Säulen nach etwa 500 Jahren Nutzung absichtlich und sorgfältig mit Erde bedeckt wurden. Die Säulen waren unversehrt, die Füllungen akkurat – das schien auf eine bewusste Handlung hinzuweisen, ja fast schon auf eine ingenieurtechnische Leistung.

Doch in den letzten zwei Jahren haben neue Forschungen eine andere, weniger mysteriöse Erklärung ins Spiel gebracht. Experten glauben heute zunehmend, dass die Anlagen nicht absichtlich vergraben wurden, sondern dass natürliche Hangrutsche die Ursache waren, als Göbeklitepe nicht mehr genutzt wurde. Die kreisförmigen Strukturen waren teilweise schon halb unterirdisch angelegt und auf flachen Hängen gebaut. Neue Studien der Füllmaterialien stützen diese These. Zugegeben, die Vorstellung einer absichtlichen Bestattung klingt geheimnisvoller und aufregender, aber die wissenschaftlichen Belege sprechen für eine natürliche Erklärung. Beweise, die die natürliche Vergrabung *eindeutig* belegen, stehen zwar noch aus, aber die Tendenz ist klar.

Keine weiteren Hinweise aus Mesopotamien auf Göbeklitepe

Die Annahme, dass die Sumerer Göbeklitepe verehrten, steht auf sehr wackeligen Beinen, wenn man bedenkt, dass dies der *einzige* angebliche Hinweis wäre. Es gibt keine weiteren archäologischen Funde aus dem Alten Mesopotamien, die auf eine Darstellung oder auch nur Kenntnis der prähistorischen Architektur Südostanatoliens – wie die von Göbeklitepe – hindeuten würden.

Niemand hat in den Neolithikum- und Chalkolithikum-Siedlungen Anatoliens nach der präkeramischen Neolithikumszeit, also 4.000 bis 5.000 Jahre lang, kreisförmige Mauern oder T-förmige Säulen in der Kunst abgebildet. Es wäre geradezu unglaublich, wenn plötzlich auf einem stark abgenutzten und unvollständigen sumerischen Zylindersiegel eine exakte Darstellung von Göbeklitepe auftauchen würde.

Wissenschaft versus Sensationsgier: Warum eine kritische Sichtweise zählt

Es ist menschlich, Muster zu erkennen und Dinge in einer Weise zu interpretieren, die unsere bestehenden Überzeugungen oder Wünsche bestätigt. Unser Gehirn neigt dazu, Ereignisse durch die Brille früherer Erfahrungen und Informationen zu filtern. Während Hypothesen in der Forschung natürlich sind, muss man dennoch logisch und umfassend vorgehen, um zu den wahrscheinlichsten Schlussfolgerungen zu gelangen.

Die Archäologie Mythen entlarven bedeutet oft, genau das zu tun: sich von aufregenden, aber unbegründeten Spekulationen zu lösen und sich auf wissenschaftlich fundierte Analysen zu konzentrieren. Die Interpretation der Göbeklitepe sumerische Tafel als Darstellung eines Webstuhls oder einer ähnlichen Alltagsszene ist nicht nur plausibel, sondern wird von Experten des Fachgebiets getragen und durch weitere Funde untermauert. Ein klares „Nein“ ist hier die logische und wissenschaftlich fundierte Antwort.

Häufig gestellte Fragen

Was genau behauptete Graham Hancock über die sumerische Tafel und Göbeklitepe?

Graham Hancock veröffentlichte 2016 einen Artikel, in dem er behauptete, eine sumerische Tafel aus der Uruk-V-Periode (ca. 3500–3250 v. Chr.) zeige eine Darstellung der T-förmigen Säulen und kreisförmigen Strukturen von Göbeklitepe, das 12.000 Jahre alt ist.

Was ist die wissenschaftliche Interpretation des sumerischen Zylindersiegels?

Archäologen und Spezialisten für sumerische Zylindersiegel sind sich einig, dass das Artefakt, korrekt betrachtet, wahrscheinlich eine Szene des Webens oder eine andere alltägliche Tätigkeit darstellt, nicht Göbeklitepe. Ähnliche Siegelabdrücke unterstützen diese Interpretation.

Gibt es weitere Belege dafür, dass alte mesopotamische Kulturen Göbeklitepe kannten oder darstellten?

Nein, abgesehen von der umstrittenen Interpretation Hancocks gibt es keine weiteren archäologischen Belege oder Darstellungen aus dem Alten Mesopotamien, die auf eine Kenntnis oder Abbildung der prähistorischen Architektur Südostanatoliens (wie Göbeklitepe) hindeuten würden.

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