Fühlst du dich manchmal allein mit deinen Ängsten oder hast du das Gefühl, dass niemand wirklich versteht, was in dir vorgeht? Du bist damit nicht allein. Rund um Angststörungen Mythen halten sich hartnäckig und machen es Betroffenen oft noch schwerer, die richtige Hilfe zu finden oder überhaupt darüber zu sprechen. Es ist Zeit, mit einigen dieser Missverständnisse aufzuräumen und Klarheit zu schaffen. Lass uns gemeinsam einen Blick darauf werfen, was wirklich hinter Angst und Panikattacken steckt.
Angst und Panikattacken: Sind sie dasselbe?
Oft werden die Begriffe Angst und Panikattacken synonym verwendet, dabei sind sie grundverschieden. Klar, beides ist unangenehm, aber der Kern ist ein anderer. Angst ist eher ein Oberbegriff, der verschiedene Störungen wie die generalisierte Angststörung oder Panikstörung umfassen kann. Sie ist oft zukunftsbezogen, eine Sorge, die sich über Minuten, Stunden oder sogar Wochen erstrecken kann, wenn sie unbehandelt bleibt.
Eine Panikattacke hingegen ist ein plötzlicher, unkontrollierbarer Anfall intensiver Furcht und körperlicher Empfindungen. Man hat das Gefühl, die Kontrolle über den eigenen Körper zu verlieren, und dieser Zustand kann extrem beängstigend sein. Sie dauert meist nur ein paar Minuten, kann aber in seltenen Fällen auch länger anhalten.
Kann man bei einer Panikattacke ohnmächtig werden?
Das ist eine oft gestellte Frage, und hier müssen wir ein wenig ins Detail gehen. Online kursiert vieles – manche sagen, Ohnmacht ist unmöglich, andere, sie sei höchst unwahrscheinlich. Wir stimmen eher Letzterem zu. Der häufigste Grund für Ohnmacht ist ein Abfall von Herzfrequenz und Blutdruck.
Doch bei einer Panikattacke passiert genau das Gegenteil: Herzfrequenz und Blutdruck steigen normalerweise an. Das macht Ohnmacht extrem unwahrscheinlich. Es gibt aber wohl Berichte über Ausnahmen.
Angst: Eine „echte“ Krankheit?
Absolut! Ein bisschen Angst ist völlig normal und sogar hilfreich – vor Prüfungen, Präsentationen oder wenn wir etwas Neues wagen. Sie kann uns motivieren. Doch wenn diese Angst anfängt, unser alltägliches Leben massiv zu beeinträchtigen, sprechen wir von einer Störung.
Angststörungen sind anerkannte psychische Erkrankungen. Sie äußern sich nicht nur in psychischen Symptomen wie ständiger Sorge, sondern auch in vielen körperlichen Beschwerden: Magenprobleme, Schwindel, Zittern, erhöhter Herzschlag, Brustschmerzen, Atembeschwerden, Kopfschmerzen, Muskelverspannungen und Schlaflosigkeit.
Vermeidung ist keine Lösung
Es mag verlockend erscheinen, Situationen zu meiden, die Angst auslösen. Wenn man zum Beispiel Menschenmassen, offene Plätze oder Supermärkte meidet, weil sie Panik auslösen, scheint das auf den ersten Blick Erleichterung zu bringen. Doch das Gegenteil ist der Fall: Vermeidungsverhalten verstärkt die Angststörung auf lange Sicht.
Eine wirksame Therapie Angststörung beinhaltet oft eine schrittweise Konfrontation mit den Angstauslösern. So lernt man, mit der Angst umzugehen, anstatt ihr auszuweichen. Es geht darum, die Kontrolle zurückzugewinnen.
Du bist nicht allein: Wie verbreitet sind Angststörungen wirklich?
Viele Betroffene fühlen sich einsam und glauben, die Einzigen zu sein, die so etwas erleben. Das ist verständlich, denn manche Angststörungen, wie soziale Angst, können sehr isolierend wirken.
Die Zahlen sprechen aber eine andere Sprache: Fast jeder Fünfte erlebt in einem Jahr irgendeine Form von Angststörung. Millionen Menschen leben mit Ängsten – du bist also weit davon entfernt, allein zu sein.
Soziale Angst ist dasselbe wie Schüchternheit – Falsch!
Schüchternheit und Introversion sind Persönlichkeitsmerkmale. Schüchterne Menschen haben vielleicht Mühe, mit Fremden zu sprechen, aber sie erleben nicht die extreme, anhaltende Angst oder die große Not, die mit einer sozialen Angststörung einhergeht.
Bei sozialer Angst erleben Betroffene in sozialen Situationen oft erhebliche Furcht, Verlegenheit oder Erniedrigung. Das führt dazu, dass sie diese Situationen entweder ganz meiden oder sie unter immensem Stress durchstehen müssen. Es ist mehr als nur ein bisschen verlegen zu sein.
Eine Panikattacke kann zu einem Herzinfarkt führen – Ein Mythos!
Während einer Panikattacke können die Symptome extrem beängstigend sein: Atemnot, Brustschmerzen, Herzrasen. Es fühlt sich oft so an, als würde man sterben oder einen Herzinfarkt erleiden. Doch auch wenn diese Empfindungen real sind, bist du in keiner physischen Gefahr.
Diese Symptome sind die Folge der Hormonausschüttung (z. B. Adrenalin) im Körper. Sofern keine zugrunde liegende körperliche Erkrankung besteht, ist es extrem unwahrscheinlich, dass eine Panikattacke allein langfristige Auswirkungen auf deine körperliche Gesundheit hat. Bei Unsicherheit ist es immer ratsam, einen Arzt aufzusuchen, um körperliche Ursachen auszuschließen.
Medikamente sind die einzige Behandlung für Angststörungen – Ein weiteres Missverständnis!
Medikamente können sicherlich eine Rolle in der Behandlung spielen und temporäre Linderung verschaffen. Sie sind aber selten die alleinige Lösung, da sie nicht die Ursache des Problems angehen.
Es gibt sehr effektive Behandlungsansätze wie die Kognitive Verhaltenstherapie (KVT). Hier lernt man, Denkweisen und Verhaltensmuster zu ändern. Auch Expositionstherapie (sich sicher und schrittweise den Ängsten stellen), Lebensstiländerungen, Entspannungstechniken, Meditation und Atemübungen sind wichtige Säulen der Angst verstehen und Bewältigung.
Angst wird mit der Zeit von selbst besser, wenn ich nur warte – Leider nicht!
Die bittere Realität ist, dass eine Angststörung in den seltensten Fällen von selbst verschwindet. Viele Menschen warten durchschnittlich zehn Jahre, bevor sie professionelle Hilfe suchen. Sie hoffen, dass es einfach besser wird.
Tatsächlich kann sich die Situation oft sogar verschlimmern. Statistiken zeigen auch, dass etwa 60 % der Menschen mit einer Angststörung auch an Depressionen leiden, was ebenfalls eine Behandlung erfordert. Angst zu verstehen und aktiv anzugehen ist der Schlüssel.
Man kann sich einfach aus einer Angststörung „rausreißen“ – Wenn es doch so einfach wäre!
Wer selbst keine Angststörung hat, kann die Sorgen und Ängste Betroffener manchmal als „lächerlich“ empfinden. Ratschläge wie „Reiß dich doch einfach zusammen“ oder „Denk einfach positiv“ sind leider alles andere als hilfreich.
Eine Angststörung ist kein Zeichen von Schwäche, und man kann sich nicht einfach so davon befreien. Es ist ein Teufelskreis aus Angst, Sorge und Vermeidung, der die Ängste immer weiter verstärkt. Oft ist professionelle Hilfe notwendig, um diesen Kreislauf zu durchbrechen und wieder Lebensqualität zu gewinnen.
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Häufig gestellte Fragen
Was ist der Hauptunterschied zwischen Angst und einer Panikattacke?
Angst ist eine eher zukunftsbezogene Sorge, die länger anhalten kann und ein breites Spektrum an Ängsten umfasst. Eine Panikattacke hingegen ist ein plötzlicher, intensiver Anfall von extremer Furcht und Kontrollverlust, der meist nur wenige Minuten dauert.
Wie häufig sind Angststörungen?
Angststörungen sind weit verbreitet. Statistiken zeigen, dass fast jeder fünfte Mensch in einem Jahr von irgendeiner Form einer Angststörung betroffen ist.
Welche Behandlungen sind bei Angststörungen wirksam?
Neben Medikamenten, die temporär helfen können, sind psychotherapeutische Ansätze wie die Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) und Expositionstherapie sehr effektiv. Auch Lebensstiländerungen, Entspannungstechniken, Achtsamkeitsübungen und Atemübungen spielen eine wichtige Rolle.

