Hast du dich jemals gefragt, was in deinem Computer vorgeht, wenn du ein Programm oder ein Videospiel startest? Im Hintergrund passieren Millionen von Vorgängen, aber einer der häufigsten ist das Kopieren von Daten von deiner Solid-State-Festplatte (SSD) in den dynamischen Direktzugriffsspeicher, besser bekannt als DRAM. Das ist die Magie hinter der DRAM Funktionsweise, die wir heute lüften wollen.
Deine SSD speichert alle Programme und Daten langfristig. Aber sobald dein Computer diese Daten nutzen möchte, müssen die entsprechenden Dateien zuerst in den DRAM verschoben werden. Das dauert seine Zeit – daher kennen wir alle den Ladebalken. Da deine CPU nur mit Daten arbeiten kann, die sich im DRAM befinden, nennen wir ihn auch Arbeitsspeicher oder Hauptspeicher.
Warum brauchen wir DRAM überhaupt? DRAM im Vergleich zur SSD
Der Hauptgrund, warum wir sowohl SSDs als auch DRAM in unseren Systemen nutzen, liegt in einem Kompromiss aus Geschwindigkeit und Speicherdichte. SSDs speichern Daten dauerhaft in riesigen 3D-Arrays, die aus Billionen von Speicherzellen bestehen und Terabytes an Speicherplatz bieten. DRAM hingegen speichert Daten temporär in 2D-Arrays, die aus Milliarden winziger Kondensator-Speicherzellen bestehen und uns Gigabytes an Arbeitsspeicher liefern.
Der Zugriff auf Daten in einer SSD dauert etwa 50 Mikrosekunden. Im Vergleich dazu braucht das Lesen oder Schreiben aus einer DRAM-Speicherzelle nur etwa 17 Nanosekunden – das ist 3000-mal schneller! Stell dir das so vor: Der Unterschied ist wie der Vergleich zwischen einer Schildkröte und einem Überschalljet, der dreifache Schallgeschwindigkeit erreicht.
Diese atemberaubende Geschwindigkeit ist der Hauptgrund für die Existenz von DRAM. Ohne ihn wäre das Spielen eines Spiels 3.000-mal langsamer. Die SSD vs DRAM Diskussion zeigt deutlich: Beide haben ihre Rolle in der Arbeitsspeicher Technik. Während die SSD für große, dauerhafte Speicherung zuständig ist, ermöglicht DRAM den Blitzzugriff auf die aktuell benötigten Daten.
Ein Blick ins Innere: Die DRAM-Speicherzelle und ihre Organisation
Tauchen wir tiefer ein und schauen, was einen DRAM-Mikrochip so besonders macht. Im Inneren finden wir Milliarden winziger Speicherzellen, die in riesigen 2D-Arrays, den sogenannten Banks, organisiert sind. Jede einzelne DRAM-Speicherzelle ist ein Wunder der Technik und wird als 1T1C-Zelle bezeichnet.
Diese Zelle ist nur wenige Dutzend Nanometer groß und besteht aus zwei Hauptteilen: einem Kondensator, der ein Bit Daten in Form von elektrischen Ladungen oder Elektronen speichert, und einem Transistor, der den Zugriff ermöglicht. Ist der Kondensator mit Elektronen auf 1 Volt geladen, repräsentiert das eine binäre 1; ist er bei 0 Volt ungeladen, ist es eine binäre 0. So einfach speichert eine Zelle genau ein Bit.
Die Kondensatoren sind oft als tiefe Gräben in Silizium geformt, um möglichst viel Speicherkapazität auf kleinstem Raum zu ermöglichen. Der Transistor wiederum wird über eine Wordline angesprochen und verbindet den Kondensator bei Bedarf mit einer Bitline, um Daten zu lesen oder zu schreiben.
Datenzugriff: Lesen, Schreiben und der magische Sense Amplifier
Der Zugriff auf Daten im DRAM ist ein komplexer, aber genialer Prozess. Zuerst sendet die CPU einen Lese- oder Schreibbefehl mit einer 31-Bit-Adresse an den DRAM. Diese Adresse wählt die passende Bank und dann eine bestimmte Zeile innerhalb dieser Bank aus.
Um zu lesen, werden zunächst alle Wordlines in der ausgewählten Bank deaktiviert und alle Bitlines auf 0,5 Volt vorgeladen. Dann wird die gewünschte Zeile aktiviert, wodurch alle Kondensatoren in dieser Zeile mit ihren Bitlines verbunden werden. Wenn ein Kondensator eine 1 speichert, fließt Ladung auf die Bitline, und die Spannung steigt leicht an. Speichert er eine 0, fließt Ladung von der Bitline in den Kondensator, und die Spannung sinkt leicht.
Genau hier kommen die Sense Amplifier ins Spiel. Sie sind an jeder Bitline angebracht und erkennen diese winzigen Spannungsänderungen. Sie verstärken die Änderung und treiben die Bitline-Spannung entweder auf 1 Volt (für eine 1) oder auf 0 Volt (für eine 0). Ohne diese Sense Amplifier wäre das Auslesen der winzigen Ladung der Kondensatoren unmöglich. Die verbleibenden Bits der Adresse wählen dann über einen Multiplexer die spezifischen 8 Bitlines aus, deren Werte zur CPU gesendet werden.
Das Schreiben von Daten funktioniert ähnlich, nur dass hier Write Driver die Bitlines mit den zu schreibenden Werten auf 1 Volt oder 0 Volt zwingen und so die vorher gespeicherte Ladung in den Kondensatoren überschreiben. Bei DDR5 Aufbau liegt die Spannung für eine binäre 1 übrigens bei 1,1 Volt.
Die Notwendigkeit des Auffrischens: Warum DRAM ständig Energie braucht
Eine der wichtigsten Eigenschaften – und gleichzeitig eine Herausforderung – von DRAM ist die Notwendigkeit des Auffrischens. Da die Transistoren in den Speicherzellen unglaublich klein sind, lecken die Ladungen langsam über den Kanal ab. Das bedeutet, dass ein Kondensator, der eine 1 speichert, seine Ladung verlieren und zu einer 0 werden könnte, was zu Datenverlust führt.
Um die Datenintegrität zu gewährleisten, muss der DRAM ständig aufgefrischt werden. Dieser Vorgang ist im Grunde eine Abfolge von Schließen aller Zeilen, Vorladen der Bitlines auf 0,5 Volt und Öffnen einer Zeile. Die Sense Amplifier erkennen dann den gespeicherten Wert und laden den Kondensator wieder vollständig auf 1 Volt oder 0 Volt auf, wodurch die verlorene Ladung wiederhergestellt wird.
Dieser Refresh-Vorgang findet für jede Bank alle 64 Millisekunden statt und durchläuft dabei Zeile für Zeile, was etwa 50 Nanosekunden pro Zeile dauert. Es ist ein atemberaubendes Zusammenspiel von Milliarden von Operationen, die Sekunde für Sekunde ablaufen, um unsere Daten zu schützen.
Die Kunst der Optimierung: Wie DRAM so unglaublich schnell wird
Angesichts der Komplexität ist es faszinierend, welche Optimierungen vorgenommen werden, um DRAM so unglaublich schnell und effizient zu machen.
Ein Schlüsselkonzept sind Row Hits (oder Page Hits). Wenn die CPU eine Lese- oder Schreibanfrage an eine Zeile sendet, die bereits geöffnet ist, spricht man von einem Row Hit. In diesem Fall entfallen viele der zeitaufwändigen Schritte zum Öffnen einer neuen Zeile, und die Daten können viel schneller über den Spalten-Multiplexer abgerufen werden. Die CPU-Speichercontroller und Software sind darauf optimiert, die Wahrscheinlichkeit von Row Hits zu maximieren.
DDR5 nutzt beispielsweise 32 Banks. Jede Bank arbeitet unabhängig, sodass mehrere Zeilen aus verschiedenen Banks gleichzeitig geöffnet sein können. Das erhöht die Chance auf einen Row Hit und reduziert die durchschnittliche Zugriffszeit. Stell dir vor, du hast 32 Schubladen, aus denen du gleichzeitig Dinge entnehmen kannst, anstatt nur eine.
Weitere Optimierungen umfassen:
* Burst-Puffer: Temporäre 128-Bit-Speicherorte, die es ermöglichen, bis zu 16 Sätze von 8 Bits extrem schnell nacheinander zu lesen oder zu schreiben, solange die Daten nebeneinander liegen. Dies beschleunigt den sequenziellen Datenzugriff erheblich.
* Untergliederung der Arrays (Sub-Arrays): Die riesigen Arrays werden in kleinere Blöcke unterteilt, mit eigenen Sense Amplifiers und hierarchischen Zeilendecodern. Dadurch werden die Wege für Ladungen und Signale verkürzt, was die Geschwindigkeit erhöht und die Größe der Kondensatoren reduziert.
* Differenzielle Bitline-Paare: Anstelle einer Bitline pro Spalte gibt es zwei, die mit einem „Cross-Coupled Inverter“ verbunden sind. Diese beiden Bitlines sind immer entgegengesetzt geladen und bilden ein Differenzialpaar. Das verbessert die Störfestigkeit, reduziert parasitäre Kapazitäten und erleichtert den Vorladevorgang, indem sich die beiden Bitlines gegenseitig auf 0,5 Volt ausgleichen.
Es ist die Kombination all dieser Arbeitsspeicher Technik und raffinierten Architektur, die es DRAM ermöglicht, Daten mit unglaublicher Geschwindigkeit zu bewegen und so die wahre Stärke unserer modernen Computersysteme zu demonstrieren.
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Häufig gestellte Fragen
Warum haben Computer sowohl eine SSD als auch DRAM?
Der Computer nutzt sowohl SSDs als auch DRAM, um einen Kompromiss zwischen Speicherdichte, Kosten und Geschwindigkeit zu finden. SSDs bieten riesige Mengen an permanentem Speicher für Programme und Daten (Terabytes), sind aber langsamer. DRAM hingegen ist extrem schnell (3000-mal schneller als eine SSD) und dient als temporärer Arbeitsspeicher für die CPU (Gigabytes), um blitzschnellen Zugriff auf die aktuell benötigten Daten zu ermöglichen.
Was bedeutet das „Auffrischen“ bei DRAM und warum ist es nötig?
Das Auffrischen (Refresh) ist ein zyklischer Vorgang, bei dem die Ladungen in den Kondensatoren der DRAM-Speicherzellen regelmäßig erneuert werden. Es ist notwendig, weil die winzigen Transistoren nicht perfekt isolieren und die Ladung über die Zeit langsam abfließt. Ohne dieses Auffrischen (alle 64 Millisekunden pro Bank) würden die gespeicherten Daten verloren gehen.
Was sind „Row Hits“ und warum sind sie für die DRAM-Leistung wichtig?
Ein „Row Hit“ (oder Page Hit) tritt auf, wenn die CPU Daten aus einer Zeile im DRAM anfordert, die bereits geöffnet ist. Da das Öffnen einer neuen Zeile zeitaufwändig ist, sparen Row Hits erheblich Zeit, da die Daten sofort über den Spalten-Multiplexer abgerufen werden können. Moderne DRAM-Designs wie bei DDR5 mit ihren vielen unabhängigen Banks sind darauf optimiert, die Wahrscheinlichkeit von Row Hits zu erhöhen und so die Gesamtleistung und Zugriffszeiten zu verbessern.


