Stell dir vor, du hältst ein Stück Papier in den Händen, das nicht einfach nur bedruckt, sondern von Grund auf mit Liebe und Sorgfalt gefertigt wurde. Ein Papier, das eine Geschichte erzählt, bevor auch nur ein Wort darauf steht. Klingt faszinierend, oder? Genau das ist die Magie, wenn wir uns dem Thema handgeschöpftes Papier selber machen widmen – und zwar auf eine Weise, die selbst Profis begeistert!
Es ist eine Kunst, die Geduld und Präzision erfordert, aber die Belohnung ist unvergleichlich. Heute tauchen wir tief ein in die Geheimnisse der Papierherstellung, speziell mit den besonderen Abaca-Fasern.
Der Grundstein: Dein wasserfester Arbeitsplatz
Bevor es überhaupt losgeht, ist eines absolut entscheidend: Dein Arbeitsplatz muss wasserdicht sein. Nichts ist ärgerlicher, als nach getaner Arbeit festzustellen, dass der schöne Holzboden ruiniert ist oder sich gar Schimmel bildet. Wir wollen unser Wasser kontrolliert sammeln und nicht in der Wohnung verteilen.
Ein Linoleumboden oder spezielle Wannen sind hier Gold wert. Hauptsache, alles ist gut aufgefangen. Neben der großen Hauptwanne mit frischem, sauberem Wasser brauchen wir auch unsere Filze und natürlich die bewährten Schöpfformen – vielleicht sogar für ganz spezielle Formate wie A6-Blätter und passende Umschläge.
Die Herstellung von Papier ist ein langer Prozess. Wenn wir alles an einem Tag schaffen wollen, ist eine gute Vorbereitung die halbe Miete. Heute arbeiten wir mit ungebleichtem Abaca Papier, einem Halbstoff, der bereits vorverarbeitet ist. Diese Faserart hat eine besondere Eigenschaft: Sie schrumpft leicht beim Trocknen, was zu diesen wunderschönen, knittrigen Rändern führt. Ein echtes Qualitätsmerkmal, das man sogar hört – und sie ist super glatt, perfekt für Kalligraphie.
Das Herzstück: Dein Papiermühle Beater
Nachdem die Abaca-Fasern eingeweicht und in kleinere Stücke gerissen wurden, geht es ab in den Beater. Das ist im Grunde eine Wanne voller Wasser mit einer Bettplatte und einer Rolle, deren Abstand wir genau einstellen können. Hier geschieht die eigentliche Magie!
Der Papiermühle Beater bereitet den Halbstoff so auf, dass er genau die Eigenschaften bekommt, die wir für unser Papier wünschen. Man sagt sogar, dass hier das Papier „gemacht“ wird, denn dieser Schritt bestimmt maßgeblich die spätere Beschaffenheit: wie viel Wasser, wie viel Faser, der Abstand zwischen Bettplatte und Rolle – all das lässt sich manipulieren, um eine breite Palette an Papieren zu kreieren.
Anfangs zerkleinert der Beater die größeren Faserstücke. Nach etwa anderthalb Stunden sollten die meisten Klumpen verschwunden sein. Ein erfahrener Papiermacher hört sogar auf den richtigen Klang des Beatels, um zu wissen, wann die Fasern perfekt sind. Aus den Fasern wird zuerst ein Brei und dann eine feine Pulpe, auch Slurry genannt.
Farbe ins Spiel bringen: Pigmente und Retention Agents
Jetzt kommt der kreative Teil! Wenn die Pulpe die richtige Konsistenz hat, ist es Zeit für die Farbe. Es gibt spezielle Pigmente, die für handgeschöpftes Papier entwickelt wurden. Wir können verschiedene Farben mischen – zum Beispiel ein staubiges Grün mit einem Hauch von anderen Tönen, um die Farbtiefe zu erhöhen.
Ganz wichtig ist hier ein sogenannter Retention Agent. Das ist eine Chemikalie, die dafür sorgt, dass sich die Pigmentmoleküle an die Fasern binden. Ohne ihn würden die Pigmente einfach im Wasser herumschwimmen und das Papier würde fleckig aussehen. Also: Zuerst den Retention Agent hinzufügen!
Denk daran, Pigmente immer zu sieben, um kleine Klümpchen zu vermeiden, die später unschöne Flecken verursachen könnten. Nach dem Mischen nehmen wir eine kleine Probe, drücken das Wasser heraus und trocknen sie kurz, etwa mit einem Heißluftföhn. So können wir den endgültigen Farbton beurteilen, denn die Farbe der Pulpe und der Papierfärbetechniken ändert sich noch beim Trocknen.
Zum Schluss kommt noch eine Schlichte (Sizing) hinzu. Dieser Zusatz verhindert, dass Tinte oder Farbe später auf dem Papier verlaufen, und bereitet die Oberfläche optimal für Stifte und Pinsel vor.
Die Kunst des Schöpfens und Couchens
Die Pulpe ist fertig, der Beater hat seine Arbeit getan, die Farbe stimmt. Nun füllen wir die Pulpe in die große Schöpfwanne. Dieser Schritt, auch „Charging the Vat“ genannt, ist für viele Papiermacher der schönste, denn es ist faszinierend zu sehen, wie die Pulpe so anmutig ins Wasser gleitet.
Die Konzentration der Pulpe im Wasser bestimmt die spätere Dicke des Papiers. Beim Schöpfen mit den Formen können wir direkt fühlen, wie viel Pulpe sich auf dem Sieb ablagert. Das Abaca Papier, das wir heute herstellen, wird so fein geschlagen, dass das Wasser nur sehr langsam durch das Sieb läuft. Das gibt uns Zeit, die Pulpe vorsichtig hin- und herzubewegen, um eine absolut gleichmäßige Schicht zu bekommen.
Du wirst überrascht sein, wie dick und voller Wasser diese nassen Blätter sind – und wie dünn sie werden, sobald sie trocken sind! Ein kleines magisches Spektakel. Jeder Papiermacher hat übrigens seinen eigenen „Shake“, eine individuelle Art, die Form durch die Pulpe zu ziehen und zu schütteln.
Der nächste Schritt ist das Couching: Das nasse Blatt wird vorsichtig von der Schöpfform auf einen feuchten Filz übertragen. Die Wassermoleküle verbinden sich miteinander, und das Blatt bleibt haften. Man kann mit verschiedenen Filzarten experimentieren, um unterschiedliche Texturen zu erzeugen, oder das Papier direkt auf dem Filz trocknen lassen, um dessen gewebte Struktur auf das Papier zu übertragen.
Der Feinschliff: Pressen und kontrolliertes Trocknen
Nachdem wir Schicht für Schicht unsere Papierblätter auf Filze gelegt haben – oft um die zehn Stück –, kommt ein letzter Filz und eine Holzplatte obendrauf. Dann geht es in die hydraulische Presse. Hier wird der Großteil des Wassers unter hohem Druck aus den Fasern gepresst, was das Papier schön dicht und fest macht.
Ist das Pressen erledigt, wandern die Blätter in unser Trocknungssystem. Das ist oft ein cleveres Stapelsystem aus Karton, Polyesterfilzen und Fenstergittern, mit einem Ventilator, der Luft hindurchbläst. Das Entscheidende hierbei ist, dass die Papiere unter viel Gewicht trocknen.
Warum das? Papier will sich beim Trocknen zusammenziehen und verformen. Mit dem Gewicht zwingen wir es, flach zu bleiben. Nach einigen Tagen ist das handgeschöpfte Papier fertig! Und dann kommt der schönste Moment: Die fertigen Blätter mit ihren wunderschönen, leicht geriffelten Kanten zu sehen und den Stapel wachsen zu sehen. Es ist einfach unglaublich befriedigend.
Die Umschläge aus Abaca Papier kommen wunderbar heraus. Und wenn man so ein Blatt faltet, merkt man, dass es ein echtes Objekt ist – ein Gefäß für Worte, Zeichnungen oder Kunstwerke. Es ist etwas Besonderes, wenn man weiß, dass Einladungen oder Briefe an geliebte Menschen auf diesem handgeschöpften Papier verschickt werden. Es ist eben kein normales maschinell gefertigtes Papier, sondern trägt die Handschrift seines Schöpfers und bringt eine ganz besondere Note ins Leben.
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Häufig gestellte Fragen
Was ist Abaca-Faser und warum eignet sie sich für handgeschöpftes Papier?
Abaca ist eine starke Naturfaser, die oft im Zustand des „Halbstoffs“ verwendet wird. Sie ist bei Papiermachern beliebt, weil sie beim Trocknen zu einer leichten Schrumpfung neigt, was schöne, knittrige Kanten erzeugt. Zudem ist sie sehr glatt und dicht, was sie ideal für Kalligraphie und hochwertige Anwendungen macht.
Welche Rolle spielt der „Beater“ bei der Papierherstellung?
Der Beater ist das Herzstück der Papierherstellung. Er ist dafür verantwortlich, die Fasern des Halbstoffs aufzubrechen und zu verarbeiten. Durch die präzise Einstellung des Abstands zwischen Bettplatte und Rolle sowie der Bearbeitungszeit können die Eigenschaften des späteren Papiers – wie Dicke, Textur und Dichte – maßgeblich beeinflusst werden. Er verwandelt die Faser in eine feine Pulpe (Slurry).
Warum sind Retention Agents und Schlichte (Sizing) so wichtig für farbiges Papier?
Retention Agents sind Chemikalien, die dafür sorgen, dass sich die Pigmentmoleküle fest an die Papierfasern binden. Ohne sie würden die Farbpigmente einfach im Wasser schweben und das fertige Papier fleckig und ungleichmäßig gefärbt aussehen. Schlichte (Sizing) hingegen wird hinzugefügt, um das Papier vor dem Verlaufen von Tinte oder Farbe zu schützen, wodurch es sich besser für das Beschreiben oder Bemalen eignet.


