Haben Sie sich jemals gefragt, warum manche Menschen einfach nicht zur Vernunft zu bringen sind? Als ob sie in einer völlig anderen Realität leben würden, wo Logik und Empathie keine Rolle spielen? Vielleicht begegnen Sie solch einer Person regelmäßig, sei es im Familienkreis, unter Freunden oder im Berufsleben. Wenn Sie sich dabei ertappen, zu denken: „90% der Menschen würden sich niemals so verhalten!“, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Sie es mit einer Hochkonflikt-Persönlichkeit (HCP) zu tun haben. Diese Menschen können unser Leben im wahrsten Sinne des Wortes zerstören, wenn wir nicht lernen, mit ihnen umzugehen und uns zu schützen.
Die vier Kernmerkmale von Hochkonflikt-Persönlichkeiten
Es ist wirklich erstaunlich, wie oft wir auf Verhaltensweisen stoßen, die uns völlig rätselhaft sind. Doch bei Hochkonflikt-Persönlichkeiten gibt es Muster. Wenn Sie sich fragen, ob jemand in Ihrem Leben eine HCP ist – oder gar Sie selbst (was übrigens unwahrscheinlich ist, wenn Sie sich überhaupt die Frage stellen!), dann achten Sie auf diese vier verräterischen Züge:
1. Alles-oder-Nichts-Denken: Für HCPs gibt es keine Grautöne. Man ist entweder der beste Freund oder der Erzfeind. Eine Situation ist entweder eine absolute Katastrophe oder das größte Ereignis überhaupt. Dieses extreme Denken lässt wenig Raum für Nuancen.
2. Unkontrollierte, intensive Emotionen: Bei ihnen übernehmen Emotionen oft das Ruder und kapern die Vernunft. Sie werden so wütend, traurig oder überglücklich, dass sie nicht mehr klar denken können. Und das passiert leider nicht selten.
3. Extremes Verhalten: HCPs greifen zu Maßnahmen, an die die meisten Menschen nicht einmal denken würden: Klagen, Stalking, Verleumdungskampagnen. Stehen Sie erst einmal im Fadenkreuz ihrer Schuldzuweisungen, schrecken sie vor nichts zurück, um Ihr Leben zur Hölle zu machen.
4. Dauerhaftes Feindbild: Ein Streit mit einer HCP mag irgendwann enden, aber ihre Aggression gegen Sie hört nicht auf. Haben sie Sie einmal als Ziel auserkoren, lassen sie nicht mehr los. Sie brauchen immer jemanden, dem sie die Schuld geben können.
Die fünf Typen von Hochkonflikt-Persönlichkeiten und ihre Urängste
Der Experte Billy Eddy, der den Begriff HCP geprägt hat, identifiziert fünf Hauptkategorien. Jede davon ist anders, doch alle können das Leben um sie herum ins Wanken bringen:
* Der Narzisstische Typ: Deren Urangst ist die Respektlosigkeit. Sie verlangen Bewunderung und Aufmerksamkeit, und alles dreht sich nur um sie. Um sich selbst aufzuwerten, machen sie andere gerne klein. Geschichten werden ausgeschmückt, Lügen aufgetischt – und wehe, man stellt sie zur Rede. Dann werden Sie schnell zum neuen Sündenbock. Solche Persönlichkeiten zu erkennen, ist der erste Schritt, um sich vor ihnen zu schützen.
* Der Borderline-Typ: Ihre größte Angst ist das Verlassenwerden. Diese Menschen können Sie anfangs mit so viel Liebe und Aufmerksamkeit überschütten, dass Sie sich wie der wichtigste Mensch der Welt fühlen. Doch wehe, Sie sagen ein Treffen ab oder vergessen eine Kleinigkeit – dann bricht die Hölle los. Was für 90% der Menschen eine Kleinigkeit wäre, ist für sie der Weltuntergang.
* Der Antisoziale/Soziopathische Typ: Das sind die wohl beängstigendsten. Ihre größte Schwäche ist das Fehlen von Reue. Sie sind charmant, überzeugend und skrupellos. Ob es darum geht, jemanden um Geld zu betrügen oder andere rücksichtslos auszunutzen – sie tun es, um sich selbst einen Vorteil zu verschaffen, ohne einen Funken Schuldgefühl.
* Der Paranoide Typ: Ihre Urangst ist Verrat. Sie sind chronisch misstrauisch, sehen überall Verschwörungen und fühlen sich ständig hintergangen. Am Arbeitsplatz kann das dazu führen, dass sie glauben, Kollegen würden hinter ihrem Rücken schlecht über sie reden oder ihnen schaden wollen. Sie versuchen oft, andere in ihre Verschwörungstheorien hineinzuziehen, und wenn man nicht mitspielt, wird man selbst verdächtig.
* Der Histrionische Typ: Die Angst des histrionischen Typs ist es, ignoriert zu werden. Sie brauchen Aufmerksamkeit um jeden Preis und neigen zu extrem dramatischem Verhalten. Lautes Lachen, maßloses Weinen bei Kleinigkeiten – alles, um im Mittelpunkt zu stehen. Ihre Geschichten werden jedes Mal sensationeller und unglaublicher. Wenn Sie das Pech haben, ihr Feindbild zu werden, werden sie jedem erzählen, wie schrecklich Sie sind und Sie manipulieren, indem sie sich als Opfer inszenieren.
Keine Selbstreflexion? Wahrscheinlich eine HCP
Das Lustige an der Sache ist: Wenn Sie sich Sorgen machen, selbst eine Hochkonflikt-Persönlichkeit zu sein, dann sind Sie es wahrscheinlich nicht! Ein Schlüsselmerkmal von HCPs ist nämlich der Mangel an Selbstreflexion. Sie sehen den Fehler immer bei anderen, niemals bei sich. Wenn Sie sich also fragen, ob Sie einer sein könnten, spricht das schon stark dagegen. Niemand ist per se böse, aber der Einfluss, den diese Persönlichkeiten auf ihr Umfeld haben, kann verheerend sein.
Wie man Hochkonflikt-Persönlichkeiten schnell identifiziert
Um sich im Umgang mit schwierigen Menschen zu wappnen, gibt es ein paar einfache Hilfsmittel:
* Die 90%-Regel: Fragen Sie sich einfach: Würden 90% der Menschen so reagieren oder sich so verhalten? Wenn die Antwort ein klares „Nein“ ist, dann haben Sie es wahrscheinlich mit einer HCP zu tun.
* Die WEB-Methode (Worte, Emotionen, Verhalten):
* Worte (W): Sind ihre Aussagen voller Schuldzuweisungen und Drohungen?
* Emotionen (E): Sprechen sie ständig in einer emotional aufgeladenen Sprache, die völlig von jeglicher Logik losgelöst scheint? Fühlen Sie sich in ihrer Nähe unwohl oder ängstlich? Hören Sie auf Ihr Bauchgefühl – es versucht, Ihnen etwas zu sagen.
* Verhalten (B): Können Sie ein Muster von extremen Handlungen und Reaktionen erkennen? Jeder hat mal einen schlechten Tag, aber wenn extremes Verhalten zum Muster wird, ist Vorsicht geboten.
Die BIFF-Methode: Kommunikation, die keine Nahrung liefert
Wenn Sie im Fadenkreuz einer Hochkonflikt-Persönlichkeit stehen, fühlen Sie sich oft wie der Idiot in der Geschichte, zweifeln an sich selbst und fragen sich, ob Sie ein schlechter Mensch sind. Hier ist die gute Nachricht: Sind Sie wahrscheinlich nicht! Oft werden Sie Opfer von Gaslighting Anzeichen, bei denen Ihre Wahrnehmung und Realität verzerrt werden.
Um Eskalationen zu vermeiden und sich selbst zu schützen, empfiehlt sich die BIFF-Methode bei der Kommunikation. Sie sorgt dafür, dass Ihre Antworten den Konfliktsuchern keinen „Brennstoff“ liefern:
* Brief (Kurz): Halten Sie sich kurz. Keine langen Erklärungen, keine Rechtfertigungen.
* Informative (Informativ): Bleiben Sie bei den Fakten und der Kerninformation.
* Friendly (Freundlich): Bleiben Sie neutral und höflich, auch wenn es schwerfällt.
* Firm (Fest): Setzen Sie klare Grenzen und wiederholen Sie Ihre Position bei Bedarf, ohne zu diskutieren.
Wenn beispielsweise ein paranoider Kollege behauptet, jemand würde sein Mittagessen vergiften, versuchen Sie nicht, ihn vom Gegenteil zu überzeugen oder seine Wahnvorstellungen zu bestätigen. Sagen Sie etwas Neutrales wie: „Das ist interessant. Was lässt Sie das denken? Ich werde mal darauf achten.“ Dann versuchen Sie, sich vom Gespräch zurückzuziehen. Das Ziel ist Deeskalation und der Schutz Ihrer eigenen mentalen Gesundheit. Manchmal ist es auch notwendig, über das reine Kommunizieren hinauszugehen und klare Grenzen zu setzen oder sich sogar, wo möglich, von solchen Beziehungen zu distanzieren. Manche Menschen können und wollen sich nicht ändern, und es ist okay, das zu akzeptieren und sich selbst in den Vordergrund zu stellen.
Häufig gestellte Fragen
F: Bin ich eine Hochkonflikt-Persönlichkeit, wenn ich mir Sorgen mache, eine zu sein?
A: Die Wahrscheinlichkeit ist sehr gering. Ein Hauptmerkmal von Hochkonflikt-Persönlichkeiten ist ein Mangel an Selbstwahrnehmung und die Unfähigkeit, das eigene Fehlverhalten zu erkennen. Wenn Sie sich also Sorgen machen und darüber nachdenken, spricht das eher dafür, dass Sie es nicht sind.
F: Welche zwei schnellen Methoden helfen, eine HCP zu erkennen?
A: Nutzen Sie die 90%-Regel: Fragen Sie sich, ob 90% der Menschen sich in dieser Situation so verhalten würden. Wenn nicht, ist es wahrscheinlich eine HCP. Die zweite Methode ist die WEB-Methode, bei der Sie auf die Worte, Emotionen und das Verhalten der Person achten, um extreme Muster zu erkennen.
F: Wie kommuniziere ich am besten mit einer Hochkonflikt-Persönlichkeit, um Konflikte zu vermeiden?
A: Verwenden Sie die BIFF-Methode: Halten Sie Ihre Kommunikation Brief (kurz), Informative (informativ), Friendly (freundlich) und Firm (fest). Das entzieht dem Konflikt den „Treibstoff“ und hilft, die Situation zu deeskalieren, ohne sich in endlose Diskussionen zu verwickeln oder sich selbst zum Ziel zu machen.

