Immanuel Velikovsky: Der umstrittene Wissenschaftler hinter „Welten im Zusammenstoß“

Februar 24, 2026

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Immanuel Velikovsky: Der umstrittene Wissenschaftler hinter „Welten im Zusammenstoß“

Was wäre, wenn unsere gesamte Vorstellung von der Entstehung unseres Sonnensystems und der Geschichte der Erde falsch wäre? Was, wenn kosmische Katastrophen die Menschheitsgeschichte immer wieder drastisch verändert hätten, und wir nur die Mythen und religiösen Texte hätten, um davon zu zeugen? Genau diese radikalen Fragen stellte Immanuel Velikovsky, ein Mann, der die etablierte Wissenschaft bis ins Mark erschütterte.

Ein Arzt ohne astrophysikalische Ausbildung wagt das Undenkbare

Immanuel Velikovsky wurde 1895 im heutigen Belarus geboren. Er studierte Mathematik und Geschichte in Moskau, wandte sich dann aber der Medizin zu. Später arbeitete er als Psychiater und ließ sich 1924 in Palästina nieder. Dort widmete er sich archäologischen Studien, oft weit abseits seines medizinischen Fachgebiets.

Er war tief beeindruckt von Freuds Werk „Mose und der Monotheismus“ und schöpfte aus dessen kühnen historischen Theorien die Inspiration für seine eigenen revolutionären Ideen. Bemerkenswert ist, dass er dies alles ohne jegliche formale Ausbildung in Astrophysik oder theoretischer Physik tat.

„Welten im Zusammenstoß“ – Venus als kosmische Katastrophenursache

Nachdem er in die Vereinigten Staaten gezogen war, um Zugang zu mehr Forschungsmaterial zu erhalten, gelang es Velikovsky, sein bahnbrechendes Buch „Welten im Zusammenstoß“ im Jahr 1950 zu veröffentlichen, trotz anfänglicher Ablehnungen vieler Verlage. Das Buch wurde von der breiten Öffentlichkeit begeistert aufgenommen, stieß aber bei Wissenschaftlern auf heftigen Widerstand.

Velikovsky behauptete, die Venus sei aus dem Jupiter hervorgegangen. Nach ihrer Entstehung und noch bevor sie ihre stabile Umlaufbahn um die Sonne fand, soll die Venus die Erdumlaufbahn gekreuzt und verheerende kosmische Katastrophen verursacht haben – angeblich im 15. und 8. Jahrhundert v. Chr.

Als Beweise führte er alte Mythen, ägyptische Papyri, Tora-Texte und Keilschrifttafeln an. Er stützte sich stark auf biblische und mythologische Überlieferungen, um seine umstrittenen Theorien zu untermauern.

Von „Verrückt“ zu „Vielleicht doch nicht so verrückt“: Erstaunliche Bestätigungen

Velikovsky wurde von den akademischen Kreisen oft als „Verrückter“ oder „Verschwörungstheoretiker“ abgestempelt. Doch im Nachhinein zeigte sich, dass einige seiner gewagten Prognosen erstaunlich präzise waren.

* Die Hitze der Venus: Er postulierte eine extrem hohe Oberflächentemperatur der Venus. Diese Behauptung galt in den 1950er Jahren als absurd. Doch als die Raumsonde Mariner 2 im Jahr 1962 die Venus passierte, maß sie eine Oberflächentemperatur von 430 Grad Celsius, später auf 480 Grad Celsius korrigiert.

* Spuren auf dem Mars: Velikovsky sagte voraus, dass der Mars Spuren von kosmischen Katastrophen durch nahe Begegnungen mit der Erde tragen müsse, wie Krater und tiefe Gräben. Bilder von späteren Raumsonden bestätigten dies.

* Gase in der Marsatmosphäre: 1954 spekulierte er über die Existenz von Argon und Neon in der Marsatmosphäre, was von Experten als unbegründet abgetan wurde. Eine russische Weltraummission im Jahr 1973 fand tatsächlich erhebliche Mengen dieser Gase.

* Jupiters Radiosignale: Eine seiner wohl erstaunlichsten Vorhersagen machte er 1954: Er schlug Albert Einstein vor, dass der Jupiter Radiosignale aussenden müsse. Obwohl Einstein seine Einladung zur Diskussion zunächst ablehnte, wurden nur zehn Monate später von Astronomen am Carnegie Institute tatsächlich Radiosignale vom Jupiter empfangen. Einstein selbst erklärte daraufhin, er werde Velikovskys Theorien sorgfältig prüfen.

Die Achillesferse: Biblische Texte als unumstößliche Wahrheit

Trotz seiner intellektuellen Brillanz hatte Velikovsky eine klare methodische Schwäche. Er wählte zwar einen systematischen Forschungspfad, verlor aber die Objektivität, indem er wissenschaftliche Beweise ignorierte, wenn sie im Widerspruch zu den Berichten der Thora standen.

Es wird oft kritisiert, dass er die Geschichte verzerrte, um die Authentizität biblischer Ereignisse, wie etwa die Teilung des Roten Meeres, zu beweisen. Die moderne Wissenschaft bietet keinen Raum für Theorien, die primär auf Mythen oder religiösen Erzählungen basieren.

Ein Vermächtnis als Querdenker: Velikovsky und die Grenzen der Wissenschaft

Die akademische Welt ist selten tolerant gegenüber jenen, die sich außerhalb ihrer spezialisierten Fachgebiete bewegen und dort Forschung betreiben. Obwohl Velikovsky ein anerkannter Arzt war, führte ihn seine Neugier auf die Geschichte in ganz andere Bereiche.

Er sah sich einem förmlichen „Kastensystem“ in der Wissenschaft gegenüber, in dem unkonventionelle Ideen oft abgetan werden, wenn die Qualifikation auf dem Papier fehlt. Doch unbeirrt setzte er seine interdisziplinäre Forschung fort. Manchmal, so scheint es, braucht die Wissenschaft solche „Verrückten“ – Querdenker wie Nikola Tesla, die ihrer Zeit voraus sind und deren Theorien erst viel später Anerkennung finden.

Häufig gestellte Fragen

1. Wer war Immanuel Velikovsky?

Immanuel Velikovsky (1895-1979) war ein russisch-amerikanischer Arzt und Psychoanalytiker, der ohne formale astrophysikalische Ausbildung radikale Theorien über die Geschichte der Erde und des Sonnensystems entwickelte. Er ist bekannt für seine kontroversen Ideen über kosmische Katastrophen, die er in seinem Buch „Welten im Zusammenstoß“ vorstellte.

2. Was war Velikovskys Hauptthese in „Welten im Zusammenstoß“?

Velikovsky postulierte, dass die Venus einst als Komet aus dem Jupiter ausgeschleudert wurde und in prähistorischer Zeit zweimal nahe an der Erde vorbeizog. Diese nahen Begegnungen sollen massive kosmische Katastrophen auf der Erde ausgelöst haben, deren Spuren in antiken Mythen und religiösen Texten zu finden sind.

3. Wurden Velikovskys gewagte Vorhersagen bestätigt?

Erstaunlicherweise ja. Obwohl er von der etablierten Wissenschaft vehement abgelehnt wurde, bestätigten spätere Beobachtungen und Messungen einige seiner gewagten Prognosen. Dazu gehören die extrem hohe Oberflächentemperatur der Venus, das Vorkommen bestimmter Gase in der Marsatmosphäre und die Emission von Radiosignalen durch den Jupiter.

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