Serkan Keskin: Theaterliebe, "8. Aile" & das Musikprojekt "Hep Barabar"

Januar 13, 2026

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Serkan Keskin: Theaterliebe, „8. Aile“ & das Musikprojekt „Hep Barabar“

Wissen Sie, was das größte Kompliment für einen Schauspieler ist? Wenn das Publikum Ihnen blind vertraut, selbst wenn nicht jede Produktion ein Meisterwerk ist. Genau das scheint das Geheimnis von Serkan Keskin zu sein, einem Ausnahmekünstler, über den wir hier sprechen wollen. Ob auf der Bühne, im Film oder als Musiker – die Menschen lieben ihn. Aber warum nur?

Vom Theater bis ins Herz des Publikums: Eine Bindung aus Vertrauen

Manchmal sind wir als Zuschauer erstaunlich nachsichtig, oder? Auch wenn ein Projekt vielleicht nicht ganz unseren Erwartungen entspricht, gibt es Schauspieler, denen wir trotzdem die Treue halten. Serkan Keskin ist so jemand. Er selbst weiß nicht genau, warum das so ist, aber er vermutet, dass es mit Vertrauen und Aufrichtigkeit zu tun hat.

Diese Hingabe, immer sein Bestes zu geben, hat er sich über Jahre im Theater erarbeitet – eine Disziplin, die tief in ihm verwurzelt ist. Es ist diese unermüdliche Arbeit, die dem Publikum die Gewissheit gibt: Dieser Mann meint es ernst. Es ist ein Geschenk, wenn man spürt, dass ein Künstler mit Herzblut bei der Sache ist.

Projekte wie das Theaterstück „Cimri“, das er über zehn Jahre und mehr als 500 Mal gespielt hat, zeugen von dieser Leidenschaft. Selbst kurzfristige Besetzungswechsel, die für andere eine Katastrophe wären, meistert er mit Bravour, und das Publikum nimmt es mit Begeisterung auf.

Zwischen Weltverschwörung und absurder Familienkomödie: Die „8. Aile“ Serie

Stellen Sie sich vor, die Welt wird von sieben Familien regiert, und die achte wäre… türkisch! Genau diese absurde Prämisse bildet die Grundlage für die neue Disney+ „8. Aile“ Serie. Serkan Keskin, der türkische Schauspieler, spielt darin Ömer, einen der sechs Brüder der Basmacıoğlu-Familie, die die Welt beherrschen soll. Nur der Vater, gespielt von Haluk Bilginer, und die Tochter scheinen normal zu sein; der Rest ist herrlich exzentrisch.

Ömer, der Charakter von Serkan Keskin, ist ein Choleriker, der gerne mal die Fassung verliert und fluchend durch die Gegend wettert. Die Komik entsteht oft dadurch, dass diese Familie, die eigentlich Weltherrschaftspläne schmiedet, sich plötzlich mit Banalitäten wie einem Kratzer am Autostoßfänger herumschlägt. Die Dreharbeiten waren eine echte Herausforderung: Oft saßen fünf bis sechs Schauspieler in einem engen Minibus und sprachen gleichzeitig. Da ist jeder im Ensemble gefordert, den Ball hochzuhalten. Was wir sehen, ist oft das Ergebnis vieler spontaner Ideen, die direkt am Set entstanden sind.

„Hep Barabar“: Eine musikalische Reise der Gemeinschaft

Wer hätte gedacht, dass Serkan Keskin nicht nur ein brillanter Schauspieler ist, sondern auch Musiker? Sein Projekt „Hep Barabar“ begann ganz unerwartet. Während der Proben zu einem Theaterstück entstand der Wunsch, türkische Volkslieder live zu spielen. Aus dem spontanen Musizieren unter Freunden entwickelte sich eine feste Gruppe, die sich in Serkans Haus traf, um einfach nur zusammen Musik zu machen.

Es ging nie darum, Alben zu veröffentlichen, sondern um die Freude am gemeinsamen Spielen. Doch das Publikum liebte es, und so entstanden schließlich Alben, bei denen nicht nur ein Solist im Vordergrund steht, sondern alle mitmachen. Zahlreiche Schauspielkollegen wie Demet Evgar, Necati İşler, Zuhal Olcay oder Haluk Bilginer singen mit.

Für Serkan ist es mehr als nur Musik: Es ist eine Möglichkeit, Freunde und Kollegen wieder zusammenzubringen, eine soziale Brücke zu bauen in einer Welt, in der man sich oft aus den Augen verliert. Und es ist der Wunsch, ein kulturelles Archiv zu schaffen – etwas Bleibendes für die Kinder und Enkel, so wie ihn alte Filme und Theateraufnahmen heute noch tief berühren.

Der Kampf mit dem Schatten der Ikone: İsmail Abi und die Freiheit des Darstellers

Jeder Schauspieler träumt von einer Rolle, die das Publikum liebt und niemals vergisst. Aber was, wenn diese Rolle so ikonisch wird, dass sie zur ewigen Referenz wird? Für Serkan Keskin ist das İsmail Abi. Obwohl diese Rolle ihm viele junge Menschen zum Theater brachte und er sie als ein großes Geschenk betrachtet, hat er sich seitdem bewusst bemüht, sich in jeder neuen Figur davon zu distanzieren.

Es ist eine Gratwanderung, immer wieder etwas Neues und Einzigartiges zu schaffen. Wenn man nach einer zweieinhalbstündigen intensiven Theaterperformance immer noch mit „İsmail Abi“ angesprochen wird, fühlt sich das manchmal ein wenig befremdlich an. Doch er weiß, dass es aus Zuneigung geschieht. Er hofft, eines Tages eine Rolle zu finden, die das Publikum so sehr überzeugt, dass sie ihn nicht mehr nur mit seiner früheren Ikone identifizieren.

Wenn der Text zur Wahrheit wird: Die Kunst des Auswendiglernens

Zwei Stunden allein auf der Bühne, über 50 Charaktere, 86 Seiten Text – wie zum Teufel schafft man es, sich so etwas zu merken? Für Serkan Keskin ist das Auswendiglernen kein mechanischer Prozess. Er kann sich nur dann einen Text merken, wenn er die Rolle vollständig verstanden hat, wenn er sich mit ihr identifizieren kann und die Worte wirklich *fühlen* kann.

„Wenn ich die Rolle nicht spielen kann, wenn ich den Charakter nicht beherrsche, dann kann ich den Text nicht auswendig lernen“, erklärt er. Aber wenn er an die Geschichte glaubt, wenn er das, was er sagt, vor seinem inneren Auge sieht und es erzählen möchte, dann sitzt der Text wie von selbst. Es ist die tiefe Überzeugung, dass er nicht nur Worte aufsagt, sondern in diesem Moment die Wahrheit der Figur lebt, die ihm diese unglaubliche Leistung ermöglicht. Das Stück „Saatleri Ayarlama Enstitüsü“ ist dafür das beste Beispiel, ein gewaltiges Unterfangen, das er meistern wollte, weil er an die Geschichte glaubte.

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