Stell dir vor: Jeden einzelnen Tag verbrauchen wir weltweit über 800 Millionen Rollen Toilettenpapier. Eine unglaubliche Zahl, oder? Dieses unscheinbare Produkt ist aus unserem Alltag einfach nicht mehr wegzudenken. Aber hast du dich jemals gefragt, wie es eigentlich hergestellt wird? Von den Rohstoffen bis zur fertigen Rolle – die Toilettenpapier Herstellung ist ein komplexer und wirklich faszinierender Prozess, der sich über Jahrzehnte entwickelt hat. Lass uns mal einen Blick hinter die Kulissen werfen!
Toilettenpapier: Eine überraschende Geschichte
Wir kennen es heute als selbstverständlichen Alltagsgegenstand, aber das war nicht immer so. Die Geschichte des Toilettenpapiers beginnt im Jahr 1857. Damals entwickelte der amerikanische Geschäftsmann Joseph Gayetty ein „medizinisches Papier“. Das waren einzelne Blätter, getränkt in Aloe Vera, die als luxuriöses Hygieneprodukt verkauft wurden. Edel, oder?
Die uns heute so vertraute Rollenform? Die kam erst später! 1890 ließ Seth Wheeler das Toilettenpapier auf der Rolle patentieren, und die Albany Perforated Wrapping Paper Company begann mit der Massenproduktion. Diese Innovation machte Toilettenpapier erst richtig praktisch und bezahlbar. Ein echter Game Changer für die Haushalte weltweit! Heute verbraucht jeder von uns schätzungsweise 40 Rollen pro Jahr – macht satte 320 Milliarden Rollen weltweit.
Von Bäumen oder Altpapier: Woher kommt unser Toilettenpapier?
Die Grundlage für Toilettenpapier kann zweierlei sein: Entweder Zellstoffproduktion aus frischen Baumstämmen – meist Kiefern oder Eukalyptus – oder aber aus Papier Recycling. Und genau letzteres wird immer wichtiger. Um der Abholzung entgegenzuwirken, setzen die Hersteller zunehmend auf recyceltes Papier.
Es ist eine Kunst, aus den oft rauen, harten Altpapierblättern das strahlend weiße, weiche und saugfähige Papier zu machen, das wir kennen. Ein Prozess, der sich über 130 Jahre immer weiter verfeinert hat. Die modernen Papierfabriken sind wahre Wunderwerke, die aus scheinbar nutzlosem Altpapier ein hochwertiges Produkt zaubern. Dafür wird das Altpapier, das oft aus Büros, Schulen und Universitäten stammt (und nicht etwa aus dem normalen Hausmüll), tonnenweise angeliefert.
Das Wunder des Recyclings: Aus Alt mach Neu
Der erste Schritt ist eine sorgfältige Auswahl und Sortierung. Maschinen trennen alles Unerwünschte ab: Kunststoffe, Metalle und sogar Büroklammern. Dabei bevorzugt man Altpapier mit wenig Tinte, denn das bedeutet reinere Fasern und einen einfacheren Prozess mit weniger Chemikalien.
Dann beginnt die eigentliche Verwandlung:
* Desagglomeration: Das Altpapier wird in riesigen Tanks, sogenannten Hydropulpern, mit Wasser vermischt. Hier lösen sich die Fasern und bilden einen Brei.
* Reinigung: Dieser Faserbrei durchläuft dann Siebe und Zentrifugen, die selbst kleinste Verunreinigungen wie Klebstoffreste oder Sand entfernen.
* Entfärbung (De-Inking): Falls das Papier Tinte enthält, kommen hier chemische Stoffe zum Einsatz. Sie lassen die Farbpartikel an die Oberfläche steigen, wo sie abfiltriert werden.
* Veredelung: Bei Bedarf wird der Brei noch gebleicht und verfeinert, oft durch Zugabe weiterer Chemikalien, um die Faserqualität zu optimieren. Manchmal wird hier auch noch etwas frischer Zellstoff hinzugefügt, um die Weichheit zu verbessern.
An diesem Punkt besteht die Mischung zu 95 % aus Wasser und nur zu 5 % aus Zellulosefasern. Ein Refiner presst die Fasern, um die späteren Verbindungspunkte zu stärken und dem Papier mehr Widerstandsfähigkeit zu verleihen. Danach wird noch mehr Wasser hinzugefügt, sodass der Brei nun zu unglaublichen 99 % aus Wasser und nur zu 1 % aus Fasern besteht.
Der Weg zur perfekten Weichheit: Pressen, Trocknen und Kalandern
Der verdünnte Faserbrei wird gleichmäßig auf einem Förderband und einem Filzband verteilt, das zwischen zwei Walzen läuft. Der Druck und der Fluss des Breis werden präzise gesteuert, um eine gleichmäßige Dicke des Papiers zu gewährleisten. Auf einem flachen Tisch sorgt das sich schnell bewegende Förderband dafür, dass das Wasser durch die Schwerkraft abläuft. Vibratoren und Vakuumboxen helfen dabei, noch mehr Wasser zu entfernen und die Fasern auszurichten.
Noch ist das Material sehr feucht und fühlt sich eher wie eine Art Papiermatsch an. Es durchläuft weitere Presswalzen, die das Blatt zusammenpressen und erneut Wasser entziehen. Bis zu 90 % dieses Wassers werden übrigens direkt in der Fabrik wiederverwendet – sehr nachhaltig!
Trotzdem enthält das Blatt immer noch etwa 50 % Feuchtigkeit. Um diese auf unter 10 % zu reduzieren, folgt die thermale Trocknung. Das passiert in riesigen, dampfbeheizten Zylindern, den sogenannten Yankee-Trocknern, bei Temperaturen zwischen 100 und 150 °C. Ein spezieller Klebstoff kann hier aufgetragen werden, um die Weichheit und Saugfähigkeit des Papiers zu verbessern.
Das Blatt hat nun seine endgültige Stärke und Textur, muss aber noch „kalandriert“ werden. Das bedeutet, es läuft durch eine Reihe von Metallzylindern, die Druck und Wärme anwenden, um die Fasern zu verdichten und eine glatte, gleichmäßige Oberfläche zu erzeugen. Das fertiggestellte Papier wird dann auf riesige Spulen gewickelt – sogenannte Mutterrollen – die bis zu 80 Kilometer lang sein und drei Tonnen wiegen können.
Von der Mutterrolle zum fertigen Paket: Die Endfertigung
Bevor die riesigen Mutterrollen zu den handlichen Toilettenpapierrollen werden, durchlaufen sie strenge Qualitätskontrollen. Festigkeit, Weichheit, Saugfähigkeit und Sicherheit – alles muss passen.
Dann geht es in die „Konvertierung“, wo vollautomatisierte Maschinen die Mutterrollen in die Endprodukte verwandeln.
* Aufwickeln: Die riesige Rolle wird auf eine rotierende Halterung gespannt. Sensoren überwachen die Spannung, damit das Papier gleichmäßig und ohne Risse abgewickelt wird.
* Prägen (Gofrado): Um Doppel- oder Dreifachlagen zu erzeugen und diese zu verbinden, wird ein spezieller Klebstoff oder eine leichte Prägung verwendet. Diese Prägung, ein Reliefmuster, verbessert nicht nur die Haftung der Lagen, sondern auch die Textur, Weichheit und Saugfähigkeit des Toilettenpapiers.
* Pappkern Herstellung: Parallel dazu werden die Pappkerne, also die „Mitte“ der Rollen, gefertigt. Lange Streifen recycelten Kartons werden spiralförmig aufgewickelt und verklebt, dann auf die richtige Länge geschnitten.
* Rollenbildung: Der Pappkern wird in die Aufwickelmaschine eingeführt, und das Papier wird kontrolliert daraufgewickelt. Sensoren überwachen die Dicke, um zu verhindern, dass die Rollen zu locker oder zu fest werden.
Die so entstandenen, über zwei Meter langen „Logs“ werden dann zu einer Schneidestation transportiert. Dort zerschneiden ultrascharfe, schnell rotierende Sägeblätter die Logs in die uns bekannten 10 cm breiten Haushaltsrollen.
Zuletzt folgt die Verpackung: Die einzelnen Rollen werden automatisch gruppiert – sei es zu 4, 8 oder 12 Stück – und in eine dünne, transparente Plastikfolie eingeschweißt. Wärme oder Klebstoff versiegeln die Enden, die fertigen Pakete werden gestapelt und sind bereit für den Transport in den Handel.
So entstehen jeden Tag Millionen von Rollen – ein kleiner Einblick in die beeindruckende Welt der Hygieneartikel Produktion, die wir sonst so selten wahrnehmen. Ziemlich cool, oder?
***
Häufig gestellte Fragen
Wann wurde Toilettenpapier erfunden?
Das moderne Konzept des Toilettenpapiers entstand 1857, als Joseph Gayetty es als medizinisches Hygienepapier verkaufte. Die uns heute bekannte Rollenform wurde 1890 patentiert.
Welche Rohstoffe werden zur Herstellung von Toilettenpapier verwendet?
Toilettenpapier wird entweder aus frischem Zellstoff von Bäumen (meist Kiefer oder Eukalyptus) oder zunehmend aus recyceltem Altpapier hergestellt.
Welche Rolle spielt Recycling bei der Toilettenpapierproduktion?
Recycling spielt eine immer wichtigere Rolle, um die Abholzung zu reduzieren. Moderne Fabriken nutzen einen innovativen Recyclingprozess, der Altpapier in Zellstoff umwandelt und so einen nachhaltigeren Produktionsweg ermöglicht.

