La Marzocco: Wie die Espressomaschine Starbucks überlebte und die Kaffeewelt eroberte

Oktober 1, 2026

uberleben.com.de

La Marzocco: Wie die Espressomaschine Starbucks überlebte und die Kaffeewelt eroberte

Manchmal scheint es, als wäre fast jede trendige Café-Ecke auf dieser Welt mit derselben, ikonischen La Marzocco Espressomaschine ausgestattet. Ob in Los Angeles, Berlin oder Florenz – ihre Präsenz in der Spezialitätenkaffee-Szene ist unübersehbar. Doch das ist die kuriose Geschichte: Vor dreißig Jahren, in den 90ern, fand man fast jede La Marzocco in Amerika – raten Sie mal wo? Bei Starbucks! Für über ein Jahrzehnt war die Linea Classic das Herzstück des Kaffee-Imperiums, bis Starbucks sie plötzlich aus fast allen ihrer 8.500 Filialen entfernte.

Wie konnte ein kleines Familienunternehmen, das seinen größten Kunden und damit fast den gesamten US-Markt verloren hatte, nicht nur überleben, sondern zu einer weltweiten Ikone werden, die heute in den besten Cafés zu finden ist? Das ist eine Geschichte über Innovation, Überzeugung und den Mut, sich neu zu erfinden.

Vom Geheimtipp zum Starbucks-Star: La Marzoccos Aufstieg in den USA

Alles begann im Jahr 1990. Damals schien es, als würde die La Marzocco Espressomaschine die treibende Kraft hinter dem aufstrebenden Kaffee-Imperium Starbucks sein. Über zehn Jahre lang stand die bewährte Linea Classic hinter fast jeder Theke, zauberte unzählige Lattes und Cappuccinos. Es war eine goldene Ära, in der Starbucks seine Filialen in nur einem Jahrzehnt von 425 auf sagenhafte 8.500 ausbaute.

Diese Partnerschaft war kein Zufall. Ende der 70er Jahre, genauer gesagt 1978, reiste Kent Bakke, ein weitsichtiger Unternehmer, nach Florenz und traf Piero Bambi, den Sohn eines der Gründer. Mit dem Segen der Familie begann Kent, La Marzocco-Maschinen in die USA zu importieren. Es war noch eine kleine Angelegenheit, vielleicht ein oder zwei Maschinen pro Monat. Doch mit der zweiten Kaffeewelle und der wachsenden Begeisterung für italienische Kaffeekultur in Amerika stieg die Nachfrage nach spezialisierten Espressogetränken. Howard Schultz, der damalige CEO von Starbucks, wurde in den 80ern von Kent mit La Marzocco bekannt gemacht. Die Maschinen wurden sogar modifiziert, um größere To-Go-Becher aufzunehmen – ein entscheidender Schritt für Starbucks‘ Geschäftsmodell. Später, 1994, baute Kent in Seattle eine eigene Fabrik, die exklusiv Kaffeemaschinen für Starbucks produzierte, nachdem er 90% der Anteile an La Marzocco erworben hatte.

Das Ende einer Ära: Warum Starbucks sich verabschiedete

Doch mit dem rasanten Wachstum von Starbucks kamen auch neue Herausforderungen. Immer mehr Filialen, eine wachsende Getränkekarte, unzählige Baristas, die geschult werden mussten, und Millionen von ungeduldigen Kunden – Starbucks brauchte eine neue Art von Espressomaschine. Die manuelle Bedienung der Linea Classic, bei der der Barista das Mahlen, Wiegen und Dampfen des Kaffees selbst übernahm, wurde zum Flaschenhals.

Es war fast schon absehbar, dass Starbucks irgendwann auf Automatisierung setzen würde. Und so kam es auch: Zwischen 2004 und 2005 wurden fast 5.000 La Marzocco-Maschinen aus den Filialen entfernt. Ersetzt wurden sie durch vollautomatische Maschinen wie die Verismo 801 und später die Mastrena-Serie, die von einem Schweizer Hersteller speziell für Starbucks entwickelt wurden. Diese „Super-Automatik“-Maschinen ermöglichten es, Kaffee und Milchschaum auf Knopfdruck zuzubereiten, was die Zubereitungszeit drastisch verkürzte und die Bedienung für ungelerntes Personal vereinfachte. Für viele mag das wie ein vernichtender Schlag für La Marzocco gewirkt haben.

Innovation aus Florenz: Wie La Marzocco die Espressomaschine neu erfand

Dabei ist es gerade die Geschichte von La Marzocco, die zeigt, dass echte Innovation und kompromisslose Qualität selbst große Herausforderungen überdauern können. Schon seit 1927 stellt das Unternehmen in Handarbeit Espressomaschinen her. Die Brüder Giuseppe und Bruno Bambi, die Gründer von La Marzocco, haben die Espressomaschine Geschichte maßgeblich mitgeschrieben.

Im Jahr 1939 revolutionierten sie die Branche mit der Einführung des horizontalen Boilers. Frühe Espressomaschinen hatten oft einen vertikalen Boiler, was die Dampfproduktion einschränkte. Ein horizontaler Boiler hingegen bietet mehr Oberfläche für den Dampf, was eine effizientere Erhitzung und eine konstantere Temperatur ermöglicht. Das ist entscheidend, denn die Temperaturstabilität trennt einen guten Espresso von einem wirklich großartigen.

Doch La Marzocco ruhte sich nicht auf diesem Erfolg aus. 1970 folgte die nächste bahnbrechende Erfindung: das Dual-Boiler-System. Hierbei gibt es separate Boiler für das Brühen des Kaffees und das Erzeugen von Dampf für die Milch. Das Problem bei einem einzelnen Boiler ist, dass die Temperatur schwankt, wenn Hitze für den Dampf entnommen wird. Mit zwei Boilern bleibt die Brühtemperatur des Kaffees extrem stabil, was zu einer unvergleichlichen Geschmacksqualität führt. Das 1970er GS-Modell, das erste mit diesem System, erregte übrigens die Aufmerksamkeit von Starbucks!

Neuanfang: Der Weg zur Spezialitätenkaffee-Bewegung

Der Verlust des Starbucks-Geschäfts war zweifellos ein Schock, aber er erwies sich auch als eine riesige Chance. La Marzocco sah die Notwendigkeit, sich neu zu positionieren und vollzog einen cleveren strategischen Schwenk. Statt dem Weg der Massenproduktion zu folgen, konzentrierte sich das Unternehmen auf den aufstrebenden Markt für Spezialitätenkaffee Maschinen und die sogenannte „dritte Welle des Kaffees“.

In dieser Bewegung ging es nicht mehr nur um schnelle Koffeindosen, sondern um Qualität, Herkunft und die Kunst der Zubereitung. Plötzlich schossen auf der ganzen Welt kleine, unabhängige Spezialitätenkaffee-Läden aus dem Boden. Und diese Cafés brauchten genau das, wofür La Marzocco stand: zuverlässige, präzise und handwerklich gefertigte Maschinen, die dem Barista die volle Kontrolle über den Brühprozess gaben. Interessanterweise landeten viele der ausgemusterten Starbucks-Maschinen auf dem Gebrauchtmarkt – und wurden von diesen neuen Spezialitätenkaffee-Shops dankend angenommen. La Marzocco, durch seine Zeit bei Starbucks bereits einem breiten Publikum bekannt, wurde zum Synonym für Qualität und Handwerkskunst.

Der „Ferrari der Espressomaschinen“: Ein Bekenntnis zur Handwerkskunst

Der Ruf als „Ferrari der Espressomaschinen“ kommt nicht von ungefähr. Ein zentraler Punkt, der die Philosophie von La Marzocco ausmacht, ist die standhafte Weigerung, vollautomatische Maschinen zu produzieren. Auch wenn Starbucks sie darum gebeten haben soll, bevor die Linea Classics abgelöst wurden, soll Piero Bambi abgelehnt haben.

Diese Haltung unterstreicht das tiefe Bekenntnis zum „menschlichen Faktor“ im Barista-Handwerk. Es geht darum, das Mahlen, die Menge, den Druck und die Dampfzubereitung manuell zu steuern. Dieser Ansatz fordert den Barista heraus und ermöglicht ihm, sein Können und seine Leidenschaft in jedes Getränk einfließen zu lassen. Wie jemand es treffend formulierte: „Ich persönlich mag Menschen. Ich möchte nicht mit einem Roboter interagieren.“

Nächstes Jahr feiert La Marzocco sein hundertjähriges Jubiläum – hundert Jahre handgefertigte Maschinen aus Italien. Diese Geschichte ist ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie eine Marke nicht nur eine Krise überstehen, sondern sich durch unerschütterliche Prinzipien und visionäre Innovation zu einem weltweiten Phänomen entwickeln kann.

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Häufig gestellte Fragen

1. Warum hat Starbucks seine La Marzocco Maschinen durch vollautomatische Modelle ersetzt?

Starbucks wechselte zu vollautomatischen Maschinen wie der Mastrena, um die Zubereitungszeit für eine wachsende Anzahl von Kunden zu verkürzen und die Bedienung für ungelerntes Personal zu vereinfachen. Die manuellen La Marzocco Maschinen erforderten mehr Zeit und Geschicklichkeit von den Baristas.

2. Welche Innovationen von La Marzocco haben die Espressomaschinen-Industrie maßgeblich beeinflusst?

La Marzocco revolutionierte die Branche mit der Einführung des horizontalen Boilers im Jahr 1939 und des Dual-Boiler-Systems im Jahr 1970. Beide Innovationen verbesserten die Temperaturstabilität und damit die Qualität des zubereiteten Espressos erheblich.

3. Produziert La Marzocco heute auch vollautomatische Espressomaschinen?

Nein, La Marzocco hat sich stets geweigert, vollautomatische Espressomaschinen zu produzieren. Das Unternehmen hält an seiner Philosophie der Handwerkskunst und des „menschlichen Faktors“ im Barista-Handwerk fest und fokussiert sich weiterhin auf traditionelle, manuelle und halbautomatische Spezialitätenkaffee Maschinen.

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